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Euphorie und Pessimismus nah beieinander

Noch nie zuvor in der Mediengeschichte gab es eine härtere Konkurrenz. Die Printmedien fürchten neue Wettbewerber. Das Internet ist der eigentliche Revolutionär und möglicherweise der große Zerstörer. Für die gesamte Medienbranche aber gilt: Konzerne müssen in Zukunft einfallsreicher und wagemutiger sein.

In kaum einer Branche liegen zurzeit Euphorie und Pessimismus so nah beieinander wie in der Medienindustrie. Nicht selten gelingt Managern während eines Gesprächs das Kunststück, beide Stimmungen wiederzugeben: Euphorie über das Aufbrechen traditioneller Strukturen mit der Chance auf neue Einnahmequellen und gleichzeitig die düstere Ungewissheit, ob man am Schluss des Prozesses als Sieger oder Verlierer dasteht.

Die Zukunft der Medien entscheidet nicht nur über Gewinn und Verlust in den Bilanzen, sondern auch über unsere Kultur. Auch politische und wirtschaftliche Stärke hängen unmittelbar mit dem Niveau der Medien im Land zusammen. So neu uns die Veränderungen auch erscheinen: Auch früher gab es dramatische Krisen in der Medienbranche. In den sechziger und siebziger Jahren haben bedeutend mehr Zeitungshäuser ihre Selbstständigkeit verloren als im Sturm von New Economy und Internet.

Als ein noch nie da gewesenes Phänomen erscheinen vielen die Finanzinvestoren. Sie wirbelten in den letzten Jahren fast alle Branchen durcheinander. Gerade in den Medien ist das aber nicht geschehen. Ist das vielleicht sogar ein Zeichen von Stärke? Der Kauf des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 durch eine Hand voll Finanzinvestoren, angeführt vom schillernden Hollywood-Milliardär Haim Saban, war zwar spektakulär, zeigt aber keinen grundsätzlichen Trend. Und die Beteiligung eines amerikanischen Investors am Berliner Zeitungskonzern Axel Springer führte zu keinen sichtbaren Veränderungen. Selbst der Einstieg von Finanzinvestoren bei der "Berliner Zeitung" gilt als Ausnahmefall, da der Verlag gleichsam im luftleeren Raum hing.

Die Zeitungsbranche in Deutschland ist trotz manchen Selbstmitleids durchaus in robuster Verfassung. Fast alle Zeitungsverlage melden wieder solide Gewinne. Viele, darunter auch mittelständische Häuser, expandierten erfolgreich nach Osteuropa. Warum trotzdem die Unsicherheit? Noch nie zuvor in der Mediengeschichte gab es eine härtere Konkurrenz. Die traditionelle Frontlinie zwischen Print und Fernsehen gilt nicht mehr. Der Kampf um die Aufmerksamkeit des Konsumenten ist unübersichtlich, unberechenbar und unbändig hart geworden.

Die Zeitungen verlieren originäre Bedeutung: Aktualität, Kleinanzeigen, regionales Monopol. Die Auflagen gehen zurück, damit auch die Erlöse. Gewinnsteigerungen beruhen fast ausschließlich auf Kostensenkungen. Alle Zeitungshäuser haben zwar ihren vermeintlichen Gegner, das Internet, in ihren Häusern etabliert. Trotzdem bleibt die Sorge, dass durch das Internet neue Mitspieler auftreten, die ohne Druckereien, Vertrieb und Papierkosten zu gefährlichen Konkurrenten werden.

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