Inside: Audi
Strategischer Vorteil

In Ingolstadt wird diese Woche gefeiert. Audi, mit Abstand das wichtigste Aushängeschild der Region, wird 100 Jahre alt. In der Krise scheint Audi der Konkurrenz um BMW und Mercedes zu enteilen. Als Teil des VW-Konzerns haben die Ingolstädter einen entscheidenden Vorteil – nur eine geglückte VW-Übernahme durch Porsche könnte die Ambitionen dämpfen.
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MÜNCHEN. Viel Prominenz hat sich angesagt. Von Salzburg über Stuttgart bis Wolfsburg kommt, wer Rang und Namen in der Nomenklatura des VW-Konzerns hat. Doch Treffen dieser Art können in diesen Tagen eine eigene Dynamik entwickeln. So dürfte der Machtkampf zwischen den Familien Porsche und Piëch um den VW-Konzern auf einen neuen Höhepunkt zusteuern. Aber Feste muss man feiern, wie sie fallen.

Audi ist mehr als ein neutraler Dritter in dem Streit, schließlich sind die Ingolstädter Porsche zuletzt mehrfach ins Gehege gekommen. Projekte wie der als „Porsche-Killer“ titulierte Supersportwagen „R8“ erzürnten die Stuttgarter. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking könnte im Falle einer geglückten VW-Übernahme bis nach Ingolstadt durchregieren und die Ambitionen der Tochter stutzen. Es ist auch die Zukunft von Audi, über die sich Wiedeking und VW-Patriarch Ferdinand Piëch entzweiten.

Audi war für Piëch das Sprungbrett zur Macht. Jahrelang fristete die Marke ein Schattendasein im VW-Konzern, bis Mitte der 80er-Jahre der Ingenieur Piëch Audi zum Vehikel seiner Ambitionen machte. Kompromisslos setzte er auf Allradtechnik, Leichtbau und ein neues Markenimage. Aus biederen Familienkutschen wurden allmählich flotte Limousinen. Gestalterischer Tristesse folgte ein eigenständiges Design.

Die Rechnung ging während der vergangenen 20 Jahre auf. Selbst in der schlimmsten Branchenkrise wirkt Audi stark. Zwar haben auch die Ingolstädter seit Jahresbeginn fast zehn Prozent ihres Absatzes verloren, doch die Konkurrenten BMW und Mercedes kämpfen mit fast doppelt so hohen Einbrüchen. Audi-Vertriebschef Peter Schwarzenbauer sprach Mitte vergangener Woche davon, dass die Talsohle erreicht sei. So zuversichtlich ist man in München und Stuttgart noch nicht.

Der demonstrative Optimismus passt ins Bild. Man hat sich große Ziele gesteckt. Audi-Chef Rupert Stadler, ehemals Piëchs Büroleiter, will bis 2015 die Konkurrenten Daimler und BMW abhängen. In Europa ist man bereits auf Augenhöhe, im boomenden China ist Audi die Nummer eins. Nur in Nordamerika ist der Vorsprung von Daimler und BMW noch deutlich.

Audi hat gegenüber seinen Konkurrenten einen entscheidenden Vorteil: Als Teil des VW-Konzerns nutzt man Entwicklungen der Mutter aus dem Massengeschäft und adaptiert diese für eigene Zwecke. So lässt sich die Modellpalette mit überschaubarem Aufwand auffächern und flexibel halten.

Das bekommt vor allem BMW zu spüren. Mit dem „A1“ schickt Audi im nächsten Frühjahr einen Konkurrenten für den Mini ins Rennen. Die wichtigsten Teile für den Stadtflitzer stammen vom VW-Kleinwagen Polo. Audi hat einen Kooperationspartner im Massengeschäft, von dem Mercedes und BMW bislang nur träumen können. Dieser Vorteil wird bleiben – egal, in welcher Konstellation VW in Zukunft regiert wird.

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