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Eon Ruhrgas: Strafe zur falschen Zeit

Der Bescheid aus Brüssel lässt auf sich warten, aber so richtig traurig ist darüber in Essen vermutlich niemand. Denn Bernhard Reutersberg, Chef von Deutschlands größter Gasgesellschaft Eon Ruhrgas, kann sich denken, was in dem Schreiben der EU-Kommission, das er seit Wochen erwartet, stehen wird.

DÜSSELDORF. Der Bescheid aus Brüssel lässt auf sich warten, aber so richtig traurig ist darüber in Essen vermutlich niemand. Denn Bernhard Reutersberg, Chef von Deutschlands größter Gasgesellschaft Eon Ruhrgas, kann sich denken, was in dem Schreiben der EU-Kommission, das er seit Wochen erwartet, stehen wird: Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes wird gegen Eon Ruhrgas und den französischen Konkurrenten Gaz de France (GDF) ein saftiges Bußgeld verhängen, vermutlich in dreistelliger Millionenhöhe – alles andere wäre eine Überraschung.

Die beiden Konzerne hatten 1975 beim Bau der Pipeline Megal in Süddeutschland abgesprochen, wer welche Mengen in seinen jeweiligen Heimatmarkt liefern darf. Die Klausel verstoße gegen das Wettbewerbsrecht, meint die Kommission. Damals habe es noch gar keinen Binnenmarkt gegeben, inzwischen sei die Passage längst gestrichen, und in einem ähnlichen Verfahren seien GDF und der italienische Eni-Konzern straffrei ausgegangen, hält Ruhrgas entgegen – und der Chef des Mutterkonzerns Eon, Wulf Bernotat, kündigt schon vorsorglich an, auf jeden Fall gegen eine Strafe vorzugehen.

Ein Rechtsstreit ist freilich langwierig und sein Ende schwer abzuschätzen. Die Strafzahlung bindet zunächst einmal Kapital, das der Konzern für Investitionen in neue Gasleitungen und -speicher benötigt. Und in der Öffentlichkeit stehen Eon und Ruhrgas einmal mehr am Pranger.

Der Streit mit der EU-Kommission kommt noch dazu in einer ohnehin schwierigen Zeit für Eons Gastochter. Die Geschäfte laufen schleppend, Schritt für Schritt verliert der Branchenprimus, der mehr als die Hälfte des deutschen Gashandels beherrscht, Marktanteile. Im ersten Quartal ist der Außenabsatz von Eon Ruhrgas um 23 Prozent eingebrochen. Das operative Ergebnis (Ebit) der Sparte Pan-European Gas, die im Wesentlichen Ruhrgas, aber auch noch einige Auslandsgesellschaften umfasst, verringerte sich um 19 Prozent. Eon versucht, das damit zu erklären, dass Kunden wegen der fallenden Preise ihre Beschaffung strecken und sich später zu günstigeren Preisen eindecken wollen.

Den dramatischen Absatzeinbruch kann das aber nicht erklären. Der Jahresanfang war vergleichsweise kalt, der Gasbedarf hoch. Und Konkurrenten wie Gaz de France und RWE haben sich im Großhandel wesentlich besser geschlagen.

Ruhrgas spürt inzwischen den Druck durch seine Wettbewerber. Vor allem Kommunalversorger sind wählerischer, brechen traditionelle Kontakte ab oder decken sich nicht mehr komplett beim Marktführer ein. Eon selbst spricht von einem „wettbewerbsbedingten Druck auf die Verkaufspreise“. Zudem werden die Margen von Eon Ruhrgas durch die scharfe Regulierung geschmälert. Die Bundesnetzagentur kürzt die Entgelte, die das Unternehmen Dritten für die Nutzung seiner Netze in Rechnung stellen darf, und verlangt hohe Investitionen in den Netzausbau.

EU-Kommission, Wettbewerb, Netzagentur – Eons stolze Tochter wird zum Sorgenkind.

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