Inside Fraport
Der neue Kern

Das Luftfahrtgeschäft kriselt und wirft immer weniger Gewinne ab. Darum ist es richtig, dass Fraport sich langsam vom Luftfahrtdienstleister zum Immobilienentwickler wandeln will. Vorher muss das Management allerdings noch viele wichtige Problem aus dem Weg schaffen.
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FRANKFURT. Fraport – immer noch denken viele dabei an den Eigentümer und Betreiber des größten deutschen Flughafens Rhein-Main. An einen Spezialisten eben, der dafür sorgt, dass die Flugzeuge einen Parkplatz finden, um Passagiere und Fracht zu ent- und beladen. Doch was über Jahre das Kerngeschäft war, ist es längst nicht mehr. Fraport ist heute weniger ein Dienstleister für die Luftfahrtindustrie, dafür aber immer mehr ein Immobilienentwickler.

Der Wandel ist goldrichtig, das zeigt sich in der aktuellen Krise. Die operativen Stellhebel im reinen Luftfahrtgeschäft sind beschränkt. Einerseits sind die Gebühren geregelt. Zwar will Fraport diese bis zum Jahr 2010 um 8,4 Prozent anheben. Doch Branchenkenner sind angesichts der Krise skeptisch, ob die Fraport-Spitze dies erreichen kann.

Anderseits hat das Management im reinen Luftfahrtbereich kaum Möglichkeiten, die Kosten zu senken, müssen doch die meisten Leistungen unabhängig vom tatsächlichen Verkehrsaufkommen weiter vorgehalten werden. Derzeit laufen Gespräche mit den Gewerkschaften über ein großes Sparprogramm bei den Bodendiensten. Doch die Verhandlungen sind zäh. Gerade haben der DGB und Verdi wegen der in ihren Augen unverhältnismäßigen Forderungen die Unterstützung beim Ausbau des Flughafens aufgekündigt.

Womit das nächste Problem angesprochen ist: die Expansion in Frankfurt. Auch wenn der Bau einer vierten Bahn mittlerweile gesichert ist: Ob dort auch nachts gestartet und gelandet werden darf, steht in den Sternen. Im August werden die Richter in Kassel entscheiden – und im schlimmsten Fall den Wachstumsaussichten am „Stammsitz“ Frankfurt einen herben Dämpfer verpassen.

Was also bleibt, wenn mit Luftfahrt-Diensten nur noch wenig zu holen ist? Das Immobilien-Know-how. Das Geschäft mit der Vermarktung von Handels-, Gastronomie- oder auch Veranstaltungsflächen läuft eigentlich immer rund. Drei Euro je Passagier will Fraport in diesem Jahr als Handelsumsatz erreichen. Alleine im ersten Quartal ist dieser Wert um sieben Prozent gestiegen.

Richtig schwungvoll wird die Sache aber erst in Kombination mit den Beteiligungen im Ausland. Hier ist Fraport mit unverminderter Energie unterwegs. Gerade ist das Unternehmen mit einem Konsortium zum bevorzugten Bieter für den Flughafen St. Petersburg gekürt worden.

Ein solches Engagement mag riskant erscheinen, schließlich ist Russland beim Luftverkehr ein unsicherer Kantonist. Das musste etwa Lufthansa erfahren, als die russische Regierung vor einiger Zeit laut mit dem Säbel der Überflugrechte rasselte, um die Frachttochter Cargo nach Sibirien zu bekommen.

Doch mit einem Investitionsaufwand von 150 Millionen Euro ist das Risiko für Fraport begrenzt. Zumal dem gute Chancen gegenüberstehen. In Ländern wie Russland wächst nicht nur das Verkehrsaufkommen. Gerade bei der Immobilienentwicklung herrscht dort noch enormer Nachholbedarf.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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