Insolvenz des Chipherstellers
Qimonda wird von der Vergangenheit eingeholt

Qimonda steht vor dem Aus, der Chiphersteller hat Insolvenz angemeldet. Damit ist das Unternehmen am vorläufigen Tiefpunkt einer seit Jahren andauernden Talfahrt angekommen. Letztlich war es die Rezession, die Qimonda den letzen Schubs gegeben hat. Die Branche wird über die Pleite jubeln.
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Der Münchener Chiphersteller Qimonda ist pleite. Die Insolvenz ist der vorläufige Tiefpunkt einer seit mehreren Jahren andauernden Talfahrt. Am Schluss war es die Rezession, die den Gang zum Amtsrichter unausweichlich werden ließ. Denn all die Jahre zuvor ist es der Tochter des Münchener Halbleiterproduzenten gelungen, die hohen Verluste mit frischem Geld auszugleichen. Wegen der Finanzkrise war in den letzten Wochen an neue Kredite oder gar an den Einstieg eines Investors aber nicht mehr zu denken.

Die Probleme haben allerdings schon vor Jahren begonnen. Denn Qimonda könnte mit der technischen Entwicklung in der Speicherchipbranche nicht mehr mithalten. Dadurch produzierten die Bayern viel zu teuer. Die Folge waren wiederholt tief rote Zahlen. Dazu kommt: Der Mutter Infineon ist es nicht gelungen, einen finanzkräftigen Partner für die ehemalige Speicherchipsparte zu finden.

Natürlich: Nicht alle Probleme sind hausgemacht. Der beispiellose Preisverfall der sogenannten Drams hat die gesamte Industrie in die roten Zahlen gestürzt. Die meisten Wettbewerber stehen deshalb nicht viel besser da als Qimonda. Zudem hat der große Konkurrent Hynix massiv von Staatskrediten in Korea profitiert. Ohne die Hilfe von außen hätte Hynix schon vor Jahren aufgeben müssen – und der ganzen Branche wäre die massive Überproduktion der letzten Monate wohl erspart geblieben. Doch solche Gedankenspiele sind rein theoretischer Natur.

So bitter es für Qimonda und die Beschäftigten ist: Die Branche wird über die Pleite jubeln. Denn jetzt besteht die Chance, dass die lange erwartete Marktbereinigung endlich in Gang kommt und die Überkapazitäten verschwinden.

Für die 12 000 Mitarbeiter, viele davon in München und Dresden, sieht es jetzt düster aus. Der Konzern braucht mehrere Hundert Millionen Euro, um die nächsten Monate zu überleben. Dass der Staat mit so viel Geld einspringt, ist nicht zu erwarten. Auch Mehrheitseigentümer Infineon hat die nötigen Mittel nicht. Findet sich nicht völlig überraschend ein Geldgeber, so droht in den nächsten Wochen das endgültige Aus. Das wäre bitter für die vielen hoch spezialisierten Beschäftigten. Denn neue Jobs sind in der Wirtschaftsflaute kaum zu finden.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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