Inszenierung
Die fragwürdige Show des PR-Ministers

Afghanistan ist Kampfgebiet, kein Platz für Talkmaster und Ministergattinnen. Der Verteidigungsminister sollte endlich mit Leistung glänzen statt mit gut inszenierten Auftritten.
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Sat1 wittert den ganz großen Coup. "Als erster deutscher Fernsehsender produziert SAT.1 eine komplette Talk-Sendung in Afghanistan", jubelt die Presseabteilung des Senders in einer Mitteilung. Allzweckwaffe Johannes B. Kerner reiste im Flugzeug von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nach Mazar-e-Sharif. Das Camp der dort stationierten Bundeswehrsoldaten wird kurzerhand zum Showstudio des Privatsenders. Da trifft es sich gut, dass auch die telegene Frau des Ministers mit von der Partie ist.

Minister zu Guttenberg weiß sich gut zu inszenieren, er spielt hervorragend mit den Medien. Unvergessen sein Auftritt auf dem Time Square in New York, wo er sich - damals noch als Wirtschaftsminister - in der Pose eines Broadway-Stars den mitreisenden Fotografen präsentierte. Bei Truppenbesuchen zeigt er sich gerne martialisch mit olivgrünem T-Shirt und Fliegerbrille. Und selbst auf der Couch bei "Wetten, dass?.?" macht er eine gute Figur.

Bisher hat ihm Show noch nicht geschadet. Bei den Popularitätswerten hängt er andere Berliner Politgrößen regelmäßig ab, eine aktuelle Umfrage zeigt, dass er für Dreiviertel der jungen Manager zum Vorbild taugt. Helmut Schmidt hat ihn jüngst mit dem Etikett "kanzlertauglich" geadelt. Kongenial ergänzt den PR-Minister seine Frau Stephanie: Kaum durfte sie in einer RTL2-Sendung publikumswirksam Kinderschänder jagen, halten sie in einer Umfrage schon 44 Prozent der Bürger für eine geeignete Familienministerin.

Doch nun hat der Popstar zu Guttenberg den Bogen überspannt. Mehr als 40 deutsche Soldaten sind in Afghanistan getötet worden, unzählige sind zum Teil schwer verletzt oder tief traumatisiert nach Hause zurückgekehrt. Der Kampfeinsatz am Hindukusch ist zu ernst um ihn auf der Talkshowbühne zu präsentieren. Das zeugt von politischer Instinktlosigkeit.

Schon stürzt sich die Opposition mit Vehemenz auf die "PR-Aktion" des Ehepaars zu Guttenberg. Doch viel entscheidender ist, dass hinter der perfekten Show des Verteidigungsministers noch nicht viel Leistung zu erkennen ist. Als Wirtschaftsminister hat er kaum eigene Akzente setzen können. Und sein bisher ehrgeizigstes Projekt, die umfassende Reform der Streitkräfte, ist noch lange nicht umgesetzt. Talent hat der junge Politiker bewiesen, aber sein Gesellenstück ist er noch schuldig geblieben.

Aber vielleicht ist es gerade das, was zu Guttenberg bei den Bürgern so beliebt macht. Müsste er wie Finanzminister Wolfgang Schäuble mit der europäischen Schuldenkrise ringen, könnte er wohl kaum so leichtfüßig über die politische Bühne schweben. Ob in dem Talent zu Guttenberg auch ein Politiker von Format steckt - dieser Beweis steht noch aus. Mit der Kerner-Show im Kampfgebiet gewinnt er nicht an Gewicht - eher im Gegenteil.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Inszenierung: Die fragwürdige Show des PR-Ministers"

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  • Hallo habe ich da etwas übersehen... So was macht doch normalerweise Sylvester Stallone oder nicht?

  • Also dieser Kommentar schlägt dem Faß die Krone mitten ins Gesicht!
    Nur weil der Verteidigungsminister mal wieder nach Afghanistan reist, diesmal eben mit Gattin, wird so ein Gedöhns gemacht!
    Da kriechen gelich die ganzen linken Protest-Fuzzies aus der deckung und machen Radau!

    Andere Länder schleppen, gegen Gage, internationale Stars zu ihren Soldaten und keinen störts!

    Aber sobald sich ein deutscher Minister mal ins Zeug legt gibts gleich verbale Haue!

    Zu dem fetten Herrn Gabriel kann ich nur sagen, dass es unterste Schublade ist wenn er Frau zu Guttenberg mit einer Pronodarstellerin vergleicht nur weil sie nicht gerade wie eine Nebelkrähe aussieht! Pfui Herr Gabriel! Meine Stimme kriegen Sie nicht!

  • Sehr geehrter Herr Kolf,

    schade, das es nicht zu ein wenig mehr Differenzierung gereicht hat. Genau wie ihre Kollegen aller anderen Zeitungen und Magazine in Deutschland, schlagen auch Sie in die Kerbe der "Selbstdarstellung" und "inszenierung". Ja, mag sein. ist aber schon mal irgendjemandem die idee gekommen, dass er es für die Sache macht? Was ist den übrig geblieben aus fast 10 Jahren Afghanistan???
    Minister Struck: "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt.", Minister Jung: "..." (war da was???) ...
    Die Politik und die Gesellschaft haben das Thema ignoriert, verdrängt, sich schön gelogen, dass die bundeswehr das bewaffnete THW im Auslandseinsatz ist! Niemand hat auch nur annähernd versucht die Wahrheit zu transportieren. Es durfte nicht Krieg genannt werden, es durfte keine Gefallenen geben ... dies alles entsprach nie dem, was die Soldaten vor Ort konkret erlebten! Jetzt ist dort jemand, der seine Popularität nutzt, um das Thema in das Licht der Öffentlichkeit zu zerren, um den "kriegsmüden" Deutschen (ich müsste glatt lachen, wenn es nicht so traurig wäre), die die bevorstehenden Weihnachtstage mit vollgeschlagenem Magen in der warmen, kuschligen, weihnachtlich dekorierten guten Stube im Kreise der Familie verbringen, vor Augen zu führen, dass es Deutsche Staatsbürger gibt, die für diesen unseren Staat täglich ihr Leben aufs Spiel setzen und eben nicht diese behagliche Sicherheit genießen können!
    Und wenn es den lieben Staatsbürgern nicht passt, dass wir in Afghanistan sind, dann ist es ihr gutes Recht, aber unsere Soldaten können nichts dafür! Sie sind auf Weisung des Deutschen Parlamentes, des bundestages dort und nicht, weil es ihnen soviel Spaß macht, sondern nur, weil sie ihren Eid gegenüber dem Deutschen Volk ernst nehmen!
    ich bin stolz auf unsere Soldaten und dem Minister dankbar, dass er das seinige dazu beiträgt, dass vielleicht doch der ein oder andere in Deutschland an den Feiertagen in Gedanken bei unseren Soldaten ist!

    Danke Herr Minister!

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