Intel
Auf der Suche

In der Halbleiterindustrie gibt es viele Manager, die derzeit nichts zu lachen haben.
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Wolfgang Ziebart zum Beispiel, Vorstandsvorsitzender des Münchener Halbleiterherstellers Infineon, kämpft seit einem Jahr mit tiefroten Zahlen. Es sieht nicht danach aus, als würde die Zeit der Verluste bald zu Ende gehen. Oder Frans van Houten, Chef des niederländischen Chipkonzerns NXP: Ihm sitzen die Finanzinvestoren im Nacken, weil das Unternehmen, das sie vor anderthalb Jahren gekauft haben, nicht so schnell wächst wie erhofft.

Nichts von alldem plagt Intel-Chef Paul Otellini. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz des weltgrößten Chipherstellers um acht Prozent geklettert, die Gewinne sprudeln wie schon lange nicht mehr und der Marktanteil im Kerngeschäft mit Prozessoren liegt nach wie vor bei beeindruckenden 80 Prozent.

Sieht so das Paradies aus? Von wegen, denn trotzdem steht Otellini derzeit massiv unter Druck. Das Unternehmen hat an der Börse seit Weihnachten rund ein Fünftel an Wert verloren. Trotz guter Quartalszahlen ging der Kurs gestern erneut in die Knie. Otellini bekommt mit voller Wucht zu spüren, dass der Branchenführer kein normaler Halbleiterproduzent ist, kein IT-Unternehmen wie jedes andere. Wegen der enormen Marktmacht, des weltbekannten Namens, seines hohen technologischen Anspruchs und einer für die IT-Industrie langen Geschichte stellen Investoren und Branchenbeobachter ganz besonders hohe Anforderungen an Intel.

Im Kerngeschäft mit Prozessoren – sie sind das Gehirn eines jeden Rechners – kann Intel die Erwartungen im Wesentlichen erfüllen. Doch das reicht offenbar nicht mehr aus. Die Anleger wollen endlich Perspektiven jenseits der angestammten Märkte in der Computerbranche sehen. Denn nur so kann Intel dauerhaft sein hohes Tempo halten. Zudem könnte sich der Konzern so unabhängiger machen von den ausgeprägten Schwankungen im Computergeschäft. Bislang hat sich Intel allerdings sehr schwer getan in anderen attraktiven Bereichen, etwa der Unterhaltungselektronik oder im Mobilfunk, von der Autobranche ganz zu schweigen.

In gewisser Weise hat Intel damit ähnliche Schwierigkeiten wie Microsoft. Die Software des US-Konzerns wird – so wie die Intel-Prozessoren – weltweit in fast jedem Computer eingesetzt. Wie Intel bringt auch Microsoft laufend neue Varianten der Kernprodukte auf den Markt und verdient gut daran. Auf fremden Feldern wie den Spielekonsolen, der Handysoftware oder Programmen zur Steuerung von Unternehmen tut sich Microsoft aber vergleichsweise schwer.

Es gibt noch eine Gemeinsamkeit: Beide Firmen werden nicht nur von Spezialisten gebremst, die in den jeweiligen Gebieten längst vertreten sind und ihr Terrain verteidigen. Viel schlimmer noch: Sie treffen auch auf emotionale Barrieren. Potenzielle Kunden haben Angst, Intel und Microsoft könnten auf neuen Feldern eine ebenso starke Position einnehmen wie im Computergeschäft. Das will kein Handyproduzent oder Fernsehgerätehersteller.

Für Intel ist die Dominanz im Prozessorgeschäft deshalb längst Segen und Fluch zugleich. Denn weltweit ermitteln die Behörden. Sie vermuten, dass der Konzern seine Marktmacht zum Nachteil von Konkurrent AMD

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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