Interner Machtkampf
Seehofer entzweit die Union

Die Ministerposten der Union sind verteilt. Doch mit der Nominierung von Horst Seehofer musste Angela Merkel eine Kröte schlucken. Die Personalie gilt als neuerlicher Affront Edmund Stoibers gegen die designierte Kanzlerin. Lachender Dritter: SPD-Chef Franz Müntefering.

HB BERLIN. Merkel ist, zurückhaltend ausgedrückt, wenig erfreut, dass CSU-Chef Edmund Stoiber ihr ausgerechnet ihren Kritiker Horst Seehofer als Minister für Verbraucherschutz und Landwirtschaft ins Kabinett gesetzt hat. Nach außen nehmen es die Spitzenpolitiker der Union vorerst gelassen, dass die CSU nun ausgerechnet Seehofer in das Regierungsteam einziehen lassen will. So hart wie FDP-Chef Guido Westerwelle ("Merkel wird eingemauert") will noch niemand aus der ersten Reihe Stoiber rüffeln. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff formuliert elegant, dass eine Mannschaft besser werden könne, "wenn auch die Individualisten einbezogen werden".

Intern wird die Nominierung Seefofers als Angriff Stoibers gegen Merkel gewertet. Eine Woche nachdem er die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin in Frage stellte, wird dem Bayern nun in der großen Schwesterpartei mangelnder Mut unterstellt. Stoiber, so die Ansicht, habe sich schlicht nicht getraut, einen Seehofer ohne Amt und Bindung frei durchs Land ziehen zu lassen.

Es habe bei Stoiber die Furcht bestanden, dass "der Horst" als selbst ernannter Bewahrer des Sozialen für eine Unruhe in der CSU sorgen könne, die auch er als Vorsitzender in Berlin nicht einfangen könne. Stattdessen müsse nun Merkel mit Seehofer am Kabinettstisch klarkommen. "Jene, die sich in Opposition zu Frau Merkel befinden, kommen jetzt zum Zuge - die SPD und Seehofer", schimpft CDU - Bundesvorstandsmitglied Heinrich-Wilhelm Ronsöhr.

Nicht vergessen sind in der Union auch manche andere als Schnitzer empfundenen Aktionen Stoibers aus der jüngsten Vergangenheit: seine starre Haltung nach Verabschiedung des Wahlprogramms zur Verwendung der Mehrwertsteuererhöhung etwa. Da ließ er Kanzlerkandidatin Merkel im Regen stehen. Oder seine als Schelte aufgefassten Äußerungen über das Wahlverhalten im Osten im August.

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