Internet: Die digitale Kluft

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Die digitale Kluft

Amerika, du hast es besser. Während sich im deutschen Lemgo Bürger nachts für 50 Cent per Handy auf eigene Kosten Straßenlaternen selbst anschalten sollen, überlegen amerikanische Stadtväter, wie sie ihre Bürger mit kostenlosem Internet erfreuen können.

Über 300 Gemeinden planen dies bereits. Megakonzern Google hat seinen beschaulichen Firmensitz Mountain View schon im letzten Jahr mit flächendeckendem Drahtlosfunk für alle beglückt. Spötter sagen allerdings, dass man damit nur die Mitarbeiter auch in ihrer spärlichen Freizeit noch arbeiten lassen wolle. Doch jetzt werden die Dimensionen gewaltig. Mit Los Angeles hat die zweitgrößte Stadt der USA erklärt, einen Internetzugang per Funktechnik für alle Bürger aufbauen zu wollen. Und dies in der langsamen Variante wohl kostenlos und werbefinanziert, in der schnellen gegen Aufpreis, wie es auch San Francisco plant.

Jetzt wird das Steuergeld schon in Internettechnik verpulvert, stöhnen die Kritiker. Doch es gibt gute Gründe dafür: Internetzugang wird für eine Gemeinde so wichtig werden wie Kanalisation oder Straßenreinigung. Das Web ist längst nicht nur Spielplatz, sondern Arbeitsplatz.Und es ist kein Zufall, dass es der erste spanischstämmige Bürgermeister in LA seit über 100 Jahren ist, der dieses Projekt vorantreibt. Denn digitale Kluft verläuft nicht nur zwischen der ersten und der dritten Welt. Sie verläuft auch mitten durch unsere Gesellschaftsschichten. Wo wäre dies besser zu beobachten als in Los Angeles, dem Schmelztiegel der Völker an der Grenze zu Mexiko, wo Superreich und Bitterarm Tür an Tür wohnen? Chancengleichheit für unsere Kinder wird in Zukunft auch gleichberechtigter Webzugang bedeuten. Nicht nur, aber auch.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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