Invasion am Medienmarkt
Sturm auf die Festung

Die unsichtbare Mauer um die deutsche Medienbranche existiert nicht mehr. Lange Zeit musste der umstrittene Tycoon Rupert Murdoch als abschreckendes Beispiel herhalten: Sender, Buchverlage und Zeitungshäuser in Deutschland wurden mit Verweis auf den ruppigen Mogul vor ausländischen Investoren abgeschirmt.

Die unsichtbare Mauer um die deutsche Medienbranche existiert nicht mehr. Lange Zeit musste der umstrittene Tycoon Rupert Murdoch als abschreckendes Beispiel herhalten: Sender, Buchverlage und Zeitungshäuser in Deutschland wurden mit Verweis auf den ruppigen Mogul vor ausländischen Investoren abgeschirmt. Tempi passati: Mit dem Einstieg der Private-Equity-Gesellschaft Hellman & Friedman bei Springer hat die Internationalisierung der krisengebeutelten Branche eine neue Qualität erreicht.

Die ausländischen Investoren schlagen mittlerweile immer öfters zu: Haim Saban und seine Wagniskapital-Partner beim Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1, die britischen Investmentgesellschaften Cinven und Candover beim Fachverlagsriesen Bertelsmann- Springer und der schwedische Medienkonzern Bonnier bei Ullstein, Econ und List.

Ausgelöst durch die schwerste Werbekrise seit dem Zweiten Weltkrieg, verstärkt durch die anhaltende Konjunkturflaute und Konsumschwäche, steht der deutsche Medienmarkt vor großen Veränderungen. Vorbei sind die glorreichen neunziger Jahre, als deutsche Medienmacher im heimatlichen Markt noch Konflikte um Macht und Prestige austragen konnten. Heute zählt die Umsatzrendite, nicht der Glamour.

Die Medien haben damit ihre selbst gewählte Sonderstellung verloren. Sie sind heute fast schon eine „normale“ Branche wie Pharma, Auto oder Maschinenbau. Die fortschreitende Kommerzialisierung von Zeitungen, Fernsehsendern und Verlagen muss aber nicht unbedingt von Nachteil sein. Denn renditestarke Medien zeichnen sich keineswegs durch eine besonders schlechte Qualität aus. Das gilt für RTL beim Fernsehen wie für angelsächsische Zeitungen im Printbereich.

Der Grund für das Interesse ausländischer Wagniskapitalgeber am zweitgrößten Medienmarkt der Welt liegt auf der Hand: Nie waren die Juwelen in Deutschland billiger zu haben. Zugleich macht die hohe Investitionsbereitschaft der Ausländer der Branche wieder Mut. Sie nährt die Zuversicht, dass es nach drei dürren Jahren womöglich bald wieder aufwärts geht. Erste Anzeichen gibt es bereits: Der Werbemarkt – der schlechteste in Europa – stabilisiert sich, und viele Medienunternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Jetzt bleibt nur eine Frage: Wann springt die Konjunktur an?

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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