Investmentbanken
Blick in die Folterkammer

Als wäre es abgesprochen gewesen: Praktisch zeitgleich mit dem Rückzug der Deutschen Börse vom Fusionsprojekt mit der Euronext kündigen die europäischen Großbanken eine eigene Aktienhandelsplattform an.

Die Drohung hören die Börsen wohl, bislang wiegen sie sich aber noch in Sicherheit. Ähnliche Projekte sind bislang immer gescheitert. Meistens, weil einer Bank eine noch so schöne Handelsplattform nichts nützt, wenn niemand darauf handelt. Anleger kaufen und verkaufen dort, wo es auch die übrigen tun. Denn: Wo die Liquidität ist, sind die Kurse auch die fairsten. Das musste die Deutsche Bank beim Internalisierungssystem „PiP“, die Nasdaq und ihre Unterstützer aus der Bankenwelt bei der Nasdaq Deutschland und MorganStanley bei der Privatanlegerbörse „Jiway“ feststellen.

Zwei Dinge haben sich seit dem allerdings geändert: Anders als früher sind viele Großbanken beteiligt, die über viele Order verfügen. Diese könnten sie nun bündeln. Allerdings müssen die sich sonst erbittert bekämpfenden Konkurrenten noch den Beweis antreten, dass sie sich in diesem Fall einigen können.

Geändert haben sich in einigen Ländern auch die rechtlichen Rahmenbedingungen. Durch die EU–Richtlinie Mifid ist etwa in Frankreich der Zwang aufgehoben worden, Aktiengeschäfte an einer Börse zu tätigen. Was läge für die dortigen Banken näher, als zumindest mal auszuprobieren, ob man in das Geschäft der Börsen nicht hineinstoßen kann? Trotzdem spricht vieles dafür, dass die Aktion vor allem einem Zweck dient: Man zeigt den Börsen die Folterkammer und macht die Tür wieder zu, wenn diese ihre Handelsgebühren senken. So kämen die Banken zwar nur indirekt, aber viel effektiver an die Gewinne der hochprofitablen Börsen.

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