Irak
Analyse: Rat- und planlos

Je vertrackter die Lage im Irak, desto mehr sucht US-Präsident George W. Bush seine Zuflucht in pathetischem Wortgeklingel. Er benutzt Sätze wie: „Wir werden nicht ruhen, bis Amerika den Sieg erringt und unsere Freiheit gesichert ist.“

Dabei stellt er die Kampagne gegen den Terror auf eine Stufe mit dem Krieg gegen das nationalsozialistische Deutschland und Japan. Eine fragwürdige Verknüpfung, denn der Kampf gegen das Schattenreich von El Kaida ist eben alles andere als eine klassische militärische Auseinandersetzung zwischen Staaten. Dahinter steckt der verzweifelte Versuch, Legitimität für eine Sache aufzubauen, die in Amerika zu immer größerem Unbehagen führt: die Mission am Golf.

Der Widerspruch zwischen Bushs aufgesetzter Rhetorik und der düsteren Situation in Irak tritt immer offener zu Tage. Die gestrige Massenpanik bei einem Pilgerfest in Bagdad, bei der mehr als 600 Menschen getötet wurden, zeigt erneut, dass man von Stabilität im Land noch lange nicht reden kann. Das Gerücht, dass sich ein Selbstmordattentäter auf einer Brücke in die Luft sprengen wollte, genügte offenbar, um die Menschenmenge in Angst und Schrecken zu versetzen.

Damit wird der August zu einem der blutigsten Monate der Nach-Saddam-Ära. Die Fernsehbilder von dem Krieg ohne Ende sorgen in Amerika für Verdruss, zumal der Steuerzahler immer tiefer in die Tasche greifen muss: 5,6 Milliarden Dollar kostet die Militäraktion mittlerweile jeden Monat. Das sind 500 Millionen Dollar mehr, als im Durchschnitt während des Vietnam-Krieges ausgegeben wurden, schreibt das Institute for Policy Studies in Washington.

Kein Wunder, dass Bush in ein immer tieferes Umfrageloch fällt. Nur noch 34 Prozent der amerikanischen Bürger sind mit seiner Irakpolitik einverstanden – ein absoluter Tiefstand. Die allgemeine Zustimmungsrate ist auf 45 Prozent abgebröckelt.

Dennoch spricht das Meinungsklima insgesamt nicht unbedingt gegen Bush. So gibt es im Land nach wie vor keine breite Bewegung für einen Rückzug aus dem Irak. Nach einer Studie der „Washington Post“ sind 54 Prozent der Amerikaner für eine Fortsetzung der Truppenpräsenz, bis sich die Lage am Golf stabilisiert hat. Sechs von zehn Amerikanern lehnen die Ankündigung eines Zeitplans für einen Rückzug ab. Pikanterweise unterstützen die US-Bürger in einzelnen Punkten die Linie ihres Präsidenten, obwohl sie mit der allgemeinen politischen Entwicklung nicht gerade zufrieden sind.

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