Irak
Die Erosion der Allianz

Eigentlich sollte Frieden herrschen im Irak und kein Bürgerkrieg. Es sollte eine Lebensperspektive geben und keine Terrorangst. Es sollte Aufbruch sein und nicht Abgrund. Doch um im Irak das Positive zu finden, muss in diesen Zeiten tief gegraben werden.

Ein Jahr nach dem Beginn eines Blitzkriegs darf die Bilanz so nicht sein. Es sollte Frieden herrschen im Irak und kein Bürgerkrieg. Es sollte eine Lebensperspektive geben und keine Terrorangst. Es sollte Aufbruch sein und nicht Abgrund. Doch um im Irak das Positive zu finden, muss in diesen Zeiten tief gegraben werden. Denn was einst viel versprechend schien, ist inzwischen verschüttet.

Und es könnte noch schlimmer kommen: Die ohnehin fragile, weil von Zweifeln geplagte Kriegsallianz zersetzt sich schneller als erwartet. Das ist – gleichgültig was man von dem Waffengang halten mag – schlecht für den Irak. Denn zu eigener Ordnung können die Iraker beim besten Willen noch nicht finden. Das zeigt das Tauziehen um die Verfassung, um Föderalismus, Autonomie und Wahlen. Das lehrt aber auch die Erfahrung: Nach Jahren der Diktatur legt man nicht einfach einen Hebel um, der ein Land in die Zukunft versetzt. Deutschland weiß dies am besten. Der Irak benötigt Zeit. Kostbare Zeit, die der tägliche Terror verbraucht.

Garantieren sollte diese Spielräume die Präsenz fremder Mächte. Möglichst vieler sogar, um die Irak-Operation auf eine breite Basis zu stellen. Doch scheiterte nicht nur die militärische Nachkriegsplanung des Pentagons. Überdeutlich wird nach der Zäsur von Madrid, wie wenig sinnvoll Kriegskoalitionen sind, die nicht auf Überzeugung und Konsens beruhen, sondern auf Loyalitäten Einzelner. Loyalitäten unterschiedlichster Art, die mit Treue, Vertrauen, Versprechungen und Hoffnungen viel, mit dem Volkswillen aber eher wenig zu tun haben.

Die USA mögen diese Entwicklung bedauern und verfluchen, einzustellen haben sie sich in jedem Fall auf diese neue Realität. Aus Eigennutz, denn schon lange gelten die weltweiten amerikanischen Militärressourcen als deutlich überdehnt. Aber auch aus politischer Vernunft. Denn es geht um nicht weniger, als einen Trend zu wenden, der aus dem spanischen Vorbild folgen könnte. Denn schon philosophieren auch die Polen über einen vorzeitigen Abgang aus dem Irak.

Die geschmähten Nato-Partner haben bereits Unterstützung für die bedrängten USA signalisiert. Für Washington ist es jetzt Zeit, auf diese zuzugehen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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