Irak
Dimensionen des Krieges

Die Feststellung ist ebenso makaber wie banal: Der mehr denn je seine grausame Fratze zeigende Krieg im Irak ist mit dem Anschlag in Nadschaf um eine weitere, für die Amerikaner katastrophale Facette reicher.

Die Feststellung ist ebenso makaber wie banal: Der mehr denn je seine grausame Fratze zeigende Krieg im Irak ist mit dem Anschlag in Nadschaf um eine weitere, für die Amerikaner katastrophale Facette reicher. Die täglichen Schüsse auf amerikanische und britische Soldaten sind bei nüchterner Betrachtung noch nachvollziehbar – ungerufene Besatzer können vor Ort selten Sympathien ernten. Ähnliches gilt für den Anschlag auf Jordaniens Botschaft. Dieser kann angesichts militärischer Kooperation zwischen Amerikanern und dem Haschemitenreich zumindest vage mit der simplen These „mitgefangen, mitgehangen“ erklärt werden. Und das Attentat auf die Uno in Bagdad mag man aus der Sichtweise stolzer Iraker als Kampf gegen alles Fremde interpretieren.

Die Explosion der Autobombe vor dem schiitischen Heiligtum in Nadschaf lässt sich demgegenüber auch grob nur schwer deuten. Denn diesmal laufen die Spekulationen in viele Richtungen: Die sicher gezielte Ermordung von Ajatollah Bakir al Hakim, dem geistlichen und politischen Oberhaupt der Schiiten, weist auf die traditionellen, jetzt aufbrechenden Differenzen zwischen der Bevölkerungsmehrheit und den unter Saddam herrschenden Sunniten hin. Warnungen, dass dieser Konflikt zum Blutbad führen muss, gab und gibt es zuhauf. Und die jetzigen Massendemonstrationen müssen sie zu Recht schriller klingen lassen.

Die andere Vermutung, wonach rachelüsterne Erben Saddams einmal mehr demonstrieren, dass sie sich längst nicht geschlagen geben, könnte auch einleuchten. Und mit Blick auf El Kaida lässt sich genauso argumentieren. Die US-Regierung nennt Letzteres sogar die Realität, kann sie damit doch trefflich ihren Kampf gegen Terror rechtfertigen. Dass dies freilich auch bedeutet, dass El Kaida erst im Zug des Krieges in den Irak importiert wurde, wird geflissentlich negiert.

Fest steht somit nur: Der Krieg im Zweistromland kann durch solche Widersprüche nicht befriedet werden. Und derzeit zeichnet sich keine Option ab, die – mit oder ohne Mitsprache der Uno, mit oder ohne Truppenverstärkung – auch nur mittelfristig Erfolg zeitigen könnte. Es fehlt der Ansatz. Nadschaf zeigt zwar eine neue Dimension des Krieges. Doch in der Mathematik gibt es unzählige Dimensionen, jenseits der Theorie richtungsweisend darstellen lassen sich aber nur wenige.

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