Irak
Kommentar: Druck erzeugt Gegendruck

Die massive Aufstockung von amerikanischen und irakischen Truppen in Bagdad hat nicht zu mehr Sicherheit und Stabilität geführt. Sie demonstriert allein die Überforderung der US-Armee.

Mit gleich zwei spektakulären Anschlägen bewiesen die Aufständischen, wie effektiv sie zuschlagen können - wo immer sie es wollen. Zunächst sprengte ein Selbstmordattentäter eine der zentralen Brücken über den Tigris in die Luft. Über die hohe Opferzahl hinaus zeigt dies, dass die Terroristen das öffentliche Leben jederzeit lahm legen können. Angesichts der chaotischen Verhältnisse im Bagdader Verkehr lassen sich Infrastruktureinrichtungen nicht schützen.

Im Gegensatz dazu hatten sich die irakischen Spitzenpolitiker, die US-Armee und die Diplomaten in der so genannten Grünen Zone bislang relativ sicher gefühlt. Eine trügerische Sicherheit, wie nach dem Selbstmordattentat in der Kantine des irakischen Parlaments offenbar wurde. Obwohl sie offenbar vorgewarnt waren und gestern besonders strikt kontrollierten konnten die irakischen und amerikanischen Sicherheitsleute nicht verhindern, dass eine lebende Bombe bis ins politische Herz des Iraks vordrang.

US-Präsident George W. Bush hatte mit der kurzfristigen Entsendung von zusätzlichen 20 000 Soldaten seine letzte Karte gespielt, die Armee ist längst überbelastet. Das Schlusskapitel seiner Amtszeit und der Vorwahlkampf werden nun vom Scheitern und einem überhasteten Irak-Rückzug geprägt. Das ist tragisch für die Republikaner – aber weit schlimmer für die Irakis, die mitten im Bürgerkrieg zurück gelassen werden.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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