Irak
Kommentar: Späte Einsicht

Seit dem Irak-Krieg war die Uno für George W. Bush irrelevant. Folglich verhinderte er jede echte Mitsprache in dem eroberten Land. Doch jetzt gibt der US-Präsident den Weg frei für Verhandlungen über den Einsatz internationaler Streitkräfte unter Uno-Mandat.

Und er bewegt sich doch. Seit dem Irak-Krieg war die Uno für George W. Bush irrelevant. Folglich verhinderte er jede echte Mitsprache in dem eroberten Land. Doch jetzt gibt der US-Präsident den Weg frei für Verhandlungen über den Einsatz internationaler Streitkräfte unter Uno-Mandat. Spät, aber nicht zu spät stellt Bush seine Irak-Politik vom Kopf auf die Füße.

Endlich beenden die USA ihre Selbstüberschätzung, sie könnten mit ihrer Koalition der Willigen ohne die militärisch und wirtschaftlich Fähigen für Ordnung im Irak, gar im ganzen Nahen Osten sorgen. Leicht wird Bush die Einsicht nicht gefallen sein, doch konnte er die brutale Realität kaum länger ignorieren: Statt Stabilität droht im Irak ein Bürgerkrieg.

In den USA reift auch die Erkenntnis, dass das Land sich militärisch wie finanziell nicht überfordern darf. Zuletzt rechneten die Buchhalter des US-Kongresses vor, dass Washington unter den gegebenen Bedingungen im März gezwungen wäre, seine Militärpräsenz zu reduzieren oder aber für die Einberufung der Nationalgarde bzw. die Aufstellung neuer Divisionen tief in die Tasche zu greifen. Fast 4 Mrd. $ pro Monat zahlen die USA schon jetzt für ihren Einsatz im Irak; die Ausgaben für den Wiederaufbau werden weitere Dutzend Milliarden verschlingen.

Noch sind die Konturen einer neuen Uno-Resolution unklar, doch sicher werden sich die USA das Oberkommando vorbehalten. Dafür müssen sie Zugeständnisse bei der politischen und der heiklen ökonomischen Rolle der Uno machen. Im Gegenzug rechnet Washington mit Truppen aus islamischen Ländern wie der Türkei oder Pakistan sowie aus Indien. Deutschland bleibt dank seines Afghanistan-Engagements militärisch außen vor – aber das Scheckbuch sollte Gerhard Schröder schon bereithalten.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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