Iran
Angeschlagen

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Noch sind im Atomkonflikt mit Iran längst nicht alle politischen Spielräume ausgeschöpft. Das sehen offenbar auch die USA so, trotz aller martialischen Rhetorik in der Bush-Regierung. Wenn Washington nun die Daumenschrauben weiter anzieht und neue Sanktionen gegen Teheran verhängt, so ist das ein klares Indiz dafür, dass zurzeit keine reale Gefahr von Iran ausgeht. Die iranischen Ingenieure in den Atomschmieden sind auch nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde noch Jahre davon entfernt, eine Bombe bauen zu können. Diese Zeit muss genutzt werden, und zwar konstruktiver als bisher.

Dass der Konfrontationskurs des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad alles andere als unumstritten ist, haben die Entwicklungen der vergangenen Tage gezeigt: der Rücktritt von Atomunterhändler Laridschani ebenso wie das demonstrative Treffen von Russlands Staatspräsident Putin mit dem geistlichen Führer Irans, Ali Chamenei. Selbst unter den Falken in Teheran macht sich langsam Unmut über den Präsidenten breit. Zumal die bisherigen Sanktionen im Alltag der Iraner Wirkung zeigen. Ihre wirtschaftliche Lage wird immer prekärer.

Es ist zwar nicht besonders fair, den Konflikt auf dem Rücken der iranischen Bevölkerung auszutragen. Doch es ist immer noch besser, die Iraner so zum Nachdenken darüber anzuregen, ob sie von den richtigen Politikern geführt werden, als sie mit einer Militäraktion zu überziehen. Sollten sich die inneren Spannungen in Teherans Führung unter dem Druck der USA und Europas verschärfen, so besteht durchaus Hoffnung, dass wieder reformorientierte Kräfte an die Macht gelangen. Nicht dass diese sofort die Hände vom Atomprogramm ließen, aber sie könnten sich vielleicht doch auf dessen friedliche Nutzung beschränken.

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