Iran
Der Westen in der Sackgasse

In der Politik ist es zum geflügelten Wort geworden, dass man seine Schritte vom Ende her denken muss. Im Fall des iranischen Atomprogramms hat die internationale Gemeinschaft diese Maxime nicht beherzigt. Der Westen hat sich in eine Sackgasse verrannt – und die Ajatollahs werden immer selbstbewusster.

Fakt ist am heutigen 1. September, dass der Iran die Bedingung nicht erfüllt hat, auf die Urananreicherung zu verzichten. Der iranischen Führung wurden zwei mögliche Wege geboten, einer zur Belohnung, einer zur Bestrafung führend. Wollen vor allem die USA und die Europäer konsequent bleiben, müssten sie nun also in Richtung Bestrafung marschieren.

Doch auch damit wird ein Einlenken des Irans wohl nicht zu erreichen sein, nicht nur, weil in Teheran eine religiöse Führung die Fäden in der Hand hat, die wenig kompromissbereit ist. Die internationale Gemeinschaft hat zwei Fehler gemacht. Sie hat eine falsche Schwerpunktsetzung vorgenommen, indem sie Irans Atomprogramm sowie die mögliche atomare Bewaffnung zum drängendsten Problem der Region hochstilisierte.

Die Amerikaner haben obendrein mit Iraks Diktator Saddam Hussein auch noch einen Konkurrenten Teherans aus dem Weg geräumt. Das provozierende Selbstbewusstsein der Ajatollahs erklärt sich auch damit, dass ihr Einfluss in der Region dramatisch zugenommen hat, wie westliche Experten anerkennen. Die strategische Bedeutung der Öl- und Gasvorkommen in einer energiehungrigen Welt tut ihr Übriges.

Der zweite Fehler lag darin, dass die Aufgabe der Urananreicherung letztlich die falsche Bedingung für Verhandlungen war. Sicher hätte Irans Führung sich auch anders störrisch gezeigt. Doch die Forderung, auf die Schließung des nuklearen Brennstoffkreislaufes zu verzichten, findet nicht einmal die schwache Opposition im Iran richtig. Der Westen hat mit seinem Vorgehen nicht etwa die Fronten im Iran aufgebrochen, sondern im Gegenteil den Rückhalt für den innenpolitisch umstrittenen Präsidenten Ahmadinedschad noch gestärkt.

Dazu kommt mangelnde Konsequenz. Genüsslich kann die iranische Regierung darauf verweisen, dass der Westen Indien, Pakistan oder Israel das Streben nach Atomwaffen längst verziehen hat. Jetzt bestehen eigentlich nur noch schlechte Optionen. An ein plötzliches Einlenken Irans glaubt niemand mehr. Der Uno-Sicherheitsrat kann nicht einfach klein beigeben. Aber vom Ende her denken heißt eben auch, keine Entwicklung in Gang zu setzen, die letztlich ein Übel durch ein noch größeres Übel beseitigt. Das Blutbad im Irak ist dafür ein abschreckendes Beispiel.

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