Iran
Hoher Druck

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad wird nicht nur durch den Westen unter Druck gesetzt. Auch innenpolitisch regt sich an mehreren Fronten Widerstand gegen seine Politik. Er muss befürchten, die nächsten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 zu verlieren.

Auf einmal schlägt der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sanfte Töne an. Im Atomstreit mit dem Rest der Welt signalisiert Teheran Kompromissbereitschaft. Er sei grundsätzlich zu einem Stopp seines Programms zur Urananreicherung bereit, um Verhandlungen aufzunehmen, ließ der Präsident wissen. Ob er tatsächlich zum Einlenken bereit ist oder nur taktiert, darf noch mit einem Fragezeichen versehen werden. Auf jeden Fall zeigt der wachsende Druck Wirkung. Denn erwehren muss sich der Iran nicht nur den Forderungen der westlichen Staatengemeinschaft. Auch innenpolitisch regt sich immer mehr Unmut. Ahmadinedschad muss befürchten, die nächsten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 zu verlieren.

Widerstand im Inneren gibt es vor allem in jenen Randregionen, in denen Gegner der Islamischen Republik leben. Von den knapp 70 Millionen Bürgern sind lediglich 51 Prozent Perser. Die andere Hälfte der Bevölkerung setzt sich unter anderem aus Minderheiten zusammen. Ein Teil dieser Gruppierungen versucht immer wieder, Teheran herauszufordern. Widerstand und Misstrauen gegenüber Teheran sind besonders unter Arabern ausgeprägt, die an der iranisch-irakischen Grenze im Südwesten des Landes mit ihren ergiebigen Erdöl- und Erdgas-Vorkommen leben. Sie stehen unter dem Einfluss Saudi-Arabiens und werden von einer Exil-Gruppe in London gesteuert.

Obwohl es sich dabei nicht um landesweit koordinierte Aktionen handelt, nimmt das Regime die Gefahr durchaus ernst. Denn die ethnischen Minderheiten könnten von ausländischen Mächten instrumentalisiert sein. Um Angriffe zu unterdrücken, werden deshalb die staatlichen Sicherheitskräfte neu organisiert. Die Zahl der Soldaten soll aufgestockt, die Kontrolle aller Landesteile verbessert werden.

Seit der Wahl von Ahmadinedschad vor zwei Jahren nimmt der Druck zu. Wiederholt wurden staatliche Gebäude bombardiert oder iranische Soldaten umgebracht. Jüngstes Beispiel für die kämpferische Stimmung unter den Minderheiten ist der Anschlag auf einen Bus der Revolutionswächter in der südöstlichen Provinz Sistan-Baluschestan, die an Pakistan und Afghanistan grenzt. Das Regime fackelte nicht lange. 65 Tatverdächtige wurden in Haft genommen, und zum Wochenbeginn wurde einer der Attentäter öffentlich hingerichtet.

Symptomatisch für die Unzufriedenheit der Bevölkerung ist der Protest der iranischen Lehrervereinigung vor dem Parlament. Sie konfrontierte den Präsidenten Ende Januar mit einem für die islamische Diktatur unerhörten Ultimatum: Sollte Ahmadinedschad die vereinbarte Lohnerhöhung rückgängig machen, würden sie in einen Streik treten. Die Gehälter der Lehrer betragen rund 320 Dollar pro Monat. Das entspricht der Hälfte des Mindestlohns.

Seite 1:

Hoher Druck

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%