Iran: Kommentar: Neuer Zug im Atomschach

Iran
Kommentar: Neuer Zug im Atomschach

In Teheran regieren nicht realitätsfremde Fundamentalisten, sondern gewiefte Taktiker. Denn jedesmal, wenn der Iran in der Nuklearfrage einen weiteren Eskalationsschritt geht, bietet die Führung des Landes auch ein Lockmittel an. So auch diesmal. Zwar wurden heute die Siegel an der Atomanlage in Natans entfernt. Aber gleichzeitig heißt es in Teheran, dass man bereit sei, im Februar mit Moskau weiter über eine Kompromissvariante zu reden. Jene Variante – die Urananreicherung nach Russland auszulagern –, die kürzlich noch vehement von Teheran als unakzeptabel abgelehnt worden war.

Das ist pure Taktik, weil es einerseits dazu dient, die Ablehnungsfront in Hardliner und Moderate zu spalten. Vor allem aber gewinnt Iran damit Zeit, das zu tun, was es eigentlich will: Selbst die nuklearen Fähigkeiten erwerben. Dieses Spiel mag für Teheran so lange gut gehen, wie sich die internationale Gemeinschaft vorführen lässt. Doch sicher scheint auch, dass irgendwann Jerusalem oder Washington der Geduldsfaden reißen wird.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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