Iran-Politik
Warum Netanjahu Obama geholfen hat

Netanjahu kam, sah und verlor: Mit seiner Rede vor dem US-Kongress hätte sich Israels Ministerpräsident als Staatsmann von Format profilieren können. Doch er versagt – und spielt damit Obama in die Hände. Ein Kommentar.

San FranciscoEs hätte nicht besser kommen können für Barack Obama: Erst spricht der israelische Ministerpräsident vor dem Kongress, danach beendet die republikanische Partei ihren Aufstand gegen die Finanzierung der Homeland Security, der Behörde, die die Grenzen sichert und den Terror bekämpfen soll. Das Problem einer Amnestie für illegale Einwanderer wird später gelöst. Das Gesetz liegt jetzt unterschriftsreif beim Präsidenten. Beides hat vielleicht mehr miteinander zu tun als man glauben sollte.

Lerne reden, ohne etwas zu sagen: Benjamin „Bibi“ Netanjahu kam, sah und – verlor. Er hatte eine Chance, sich als Weltdiplomat und Staatsmann von Format zu profilieren, und er hat versagt. Vor dem US-Kongress verlor er sich in Standpunkten, die jeder hundert mal zuvor gehört hatte. Er versäumte nicht, wo immer möglich auf den Zweiten Weltkrieg hinzuweisen und darauf, dass die Iraner rund um die Welt Amerikaner töten, wann immer möglich. Merke: Die iranische Regierung war böse, ist böse und wird immer böse sein. Verhandlungen sind deshalb sinnlos.

Damit ist seine Sicht auf die aktuelle politische Diskussion hinreichend beschrieben. Das schlimmste was passieren könne sei, dass Iran Atomwaffen bekomme, sagt er. Es gebe kaum jemanden in der westlichen Hemisphäre, der das nicht genau so sehe. Um dann zur populistischen These „kein Deal mit Iran ist besser als ein schlechter Deal“ zu kommen. Und ja, was Barack Obama da aushandele, das sei ein schlechter Deal. Er stelle sogar sicher, „dass der Iran Atomwaffen bekomme“.


Es ist atemberaubend, welche Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit Netanjahu Obama da unterstellt, ohne selbst nur einen Deut zur Lösung des Problems beizutragen. Denn genau das wäre es gewesen, was seine Rede von einer Wahlkampfveranstaltung auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler zur einer weltmännischen Rede gemacht hätte: das Aufzeigen einer Alternative.

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Weiter von der Realität kann man nicht entfernt sein

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