Iran
Tödliche Gefahr

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Vielen Mitarbeitern des US-Militärs im Zweiten Weltkrieg dämmerte es rasch: Mit der Atombombe hatten sie eine Waffe in die Welt gesetzt, die der Mensch nicht kontrollieren kann. Die Ingenieure des „Manhattan-Projekts“ hatten eine Vernichtungswaffe konstruiert, welche die Phantasie radikaler Politiker inspiriert.

Irans Führung ist das Furcht erregende Beispiel dafür. Beharrlich ignoriert Teheran das Verbot des Uno-Sicherheitsrats. Die Internationale Atomenergieagentur listet die Vergehen Teherans im neuen Iran-Bericht akribisch auf: Die Ingenieure des Gottesstaates reichern unverdrossen Uran an. Das Regime gelangt so in die Reichweite nuklearer Massenvernichtungswaffen – langsam, aber sicher. Für die Welt ist das eine tödliche Gefahr.

Wie aber soll die Welt die Iraner stoppen? Ein Militärschlag wäre die schlechteste Wahl. Die Iraner haben ihre atomaren Anlagen im ganzen Land verteilt, teilweise gut und unterirdisch versteckt. Die Attacke wäre also nicht eine simple Neuauflage des israelischen Militärschlages von 1981 gegen die irakischen Atomanlagen. Auch scheidet eine Okkupation des großen Landes Iran aus.

Zudem: Wer sollte die Hiebe austeilen? Weder die geschwächte Supermacht USA noch die Regionalmacht Israel drängt es an die Front. Im Sicherheitsrat würden aller Voraussicht nach Russen und Chinesen ein Veto gegen eine militärische Operation einlegen. Eine Intervention hätte nicht den Segen der Welt. Aber kann der politische Dialog die Iraner stoppen? Wohl kaum. Seit Jahren verhandeln die Europäer mit Iran – ohne sichtbaren Erfolg. Die Iraner täuschen, tarnen und tricksen. So gewinnen sie wertvolle Zeit für den Bau der Bombe.

Was bleibt also? Die internationale Gemeinschaft muss noch härter als bisher wirtschaftliche und finanzielle Sanktionen gegen die Iraner verhängen. Die ersten Strafen gegen Iran ordnete der Sicherheitsrat im Dezember 2006 an. Im März folgten weitere. Das war sehr spät. Denn die Atomenergiebehörde hatte die Iraner schon 2003 ertappt. Die USA drängten lange vergeblich darauf, der Sicherheitsrat möge Iran zur Räson rufen.

Jetzt bleibt der Uno keine andere Wahl, als die Daumenschrauben noch fester anzuziehen. Der Sicherheitsrat muss die Führung in Teheran unter Druck setzen, bis sie ihr atomares Abenteuer aufgibt. Wenn nötig, muss der Westen dafür auch eigene wirtschaftliche Interessen zurückstellen. Und die westlichen Vertreter im Sicherheitsrat sollten den Vetomächten Russland und China eines klar machen: Härte gegenüber den Mullahs zahlt sich langfristig aus. Für alle. Denn Iran ist ein Testfall für die Proliferation von Atomwaffen.

Wenn die internationale Gemeinschaft den Zugriff der Mullahs auf die Atombombe nicht stoppen kann, droht eine unkontrollierte Verbreitung von nuklearen Massenvernichtungswaffen. Andere Staaten in der nahöstlichen Region werden dem Treiben Teherans nicht tatenlos zusehen. Auch sie wollen dann die apokalyptischen Waffen in ihren Arsenalen haben. Dann wäre der Weg nicht weit, bis auch Terroristen atomar aufrüsten, Regierungen erpressen und Staaten angreifen können. Und dann würde die ganze Menschheit am Abgrund taumeln.

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