Israel Blick nach vorn

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Angela Merkel hat es geschafft, die tragische Sonderrolle der deutsch-israelischen Beziehungen durch vorsichtige politische Schritte weiterzuentwickeln, ohne sich dem Vorwurf auszusetzen, die Last der Vergangenheit leichtfertig abstreifen zu wollen. Das ist auf dem glitschigen Gelände der deutschen Geschichte und der nahöstlichen Grabenkämpfe schwer genug. Für ihre Umsicht und ihr diplomatisches Gespür auf dieser ungewöhnlich intensiven Israel-Reise gebührt Angela Merkel daher Zustimmung und Anerkennung.

Bei allem ehrlichen Bekenntnis zur immerwährenden Verantwortung Deutschlands für den Holocaust, die Bundeskanzlerin hat den Blick auch nach vorne gerichtet. Nicht auf „Vergangenheitsbewältigung“, sondern auf der Lösung der Zukunftsfragen soll ab jetzt die Betonung liegen. Konkrete Projekte im Bereich Wissenschaft und Wirtschaft sind Merkel wichtiger als Erinnerungsreden. Nicht die Bekenntnisse in Festveranstaltungen zählen, so Merkel, sondern die Taten, wenn es darauf ankommt. In der Wirtschaft allerdings hört das nicht jeder gerne. Denn man pflegt auch intensive Kontakte zur arabischen Welt – und zum Iran.

Aufmerksam werden die Anstrengungen Merkels verfolgt, mit der Aufnahme regelmäßiger Regierungskonsultationen das Verhältnis zwischen Berlin und Jerusalem auf eine neue Grundlage zu stellen. Zwar profitierten auch die Unternehmen von der positiven Entwicklung, wie nicht zuletzt die rasch wachsende Handelsbilanz zwischen Deutschland und Israel zeigt. Aber die Bundesrepublik ist auch immer gut damit gefahren, sich im Nahostkonflikt offen für die Anliegen beider Seiten zu zeigen. Die Rolle des ehrlichen Maklers, in die Berlin in den letzten Jahren hineingewachsen ist, hat sich schließlich politisch und wirtschaftlich ausgezahlt.

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