Italien
Der lange Schatten Berlusconis

Mario Monti macht vieles richtig. Doch Investoren fliehen panisch aus italienischen Aktien. Die Sorge: Berlusconi könnte an die Spitze des Landes zurückkehren. Die Märkte befürchten Schlimmstes.
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Italiens Problem heißt nicht Mario Monti, sondern Silvio Berlusconi. Schon wieder? Ja, schon wieder oder immer noch. Der amtierende Premier Monti ist in diesen Tagen verständlicherweise frustriert, dass die Märkte seine Arbeit so wenig anerkennen: Rentenreform, Liberalisierungen, Arbeitsmarktreform und nun bald milliardenschwere Budgetkürzungen und Vermögensverkäufe.

Er macht doch alles richtig, mehr als sein Vorgänger je geschafft hat. Und was bringt es ihm? Spreads, die zwischenzeitlich auf die Höhe von Berlusconis schlimmsten Zeiten schnellen. Investoren, die panisch aus italienischen Aktien fliehen. Am liebsten möchte man Monti auf die Schulter klopfen und sagen: „Es ist nicht deine Schuld. Silvio war's.“

Im Herbst hat Berlusconi unter dem Druck der Märkte abgedankt. Aber jetzt plant er sein Comeback. Er soll sich stundenlang Videos von Beppe Grillos Auftritten anschauen, dem erfolgreichen Blogger und Anführer der Bewegung „Cinque Stelle“, die bei den jüngsten Lokalwahlen abgeräumt hat. Außerdem umgibt er sich mit Social-Media-Experten, die ihn fit machen sollen für die neuen Generationen.

Das ist es, was die Märkte besorgt. Märkte schauen bekanntlich nach vorn und nicht nach hinten. Und vorn, also nach Monti, sehen sie politische Unsicherheit, wie die Ratingagentur Moody's in ihrer Begründung zur jüngsten Herabstufung des Landesratings schreibt. Und dabei haben Analysten wohl auch die Option Berlusconi im Kopf: den Politiker, der Italien in den vergangenen Jahren nicht reformiert hat und es international zurückfallen ließ. Dieser Politiker könnte wieder die Macht in Italien übernehmen.

Es ist nicht so sehr die Frage, ob ein PD-Chef Pier Luigi Bersani oder sein interner Herausforderer Matteo Renzi kandidieren oder ob Pier Ferdinando Casini von den Christdemokraten als Kompromisskandidat infrage kommt. Sie alle stünden mehr oder weniger für eine gewisse Kontinuität mit der Monti-Politik, die sie derzeit in einer breiten Koalition auch unterstützen. Es ist der Schatten des bald 76-jährigen Berlusconi, der die Gemüter der Investoren beunruhigt.

Auch bei Unternehmern und Managern klingt diese Sorge an. Berlusconi steht für jahrelangen Stillstand und populistische Steuergeschenke. Mit seiner Rückkehr wäre das Ende Italiens besiegelt, fürchten viele. Die Wähler aber könnten das anders sehen: Wenn Berlusconi etwas anpackt, dann macht er das professionell. Über die Mittel für die richtigen Berater verfügt er. Kommunikation versteht er wie kein anderer, auch wenn er sich in Sachen Internet und Social Media gerade ein wenig Nachhilfe holen muss.

Im Wahlkampf läuft Berlusconi zur Höchstform auf. Die Sexskandale interessieren schon keinen Italiener mehr. An seinem Look arbeitet er bereits mit Diät und Sport. Noch macht er ein Mysterium aus seinem Comeback. Aber es reicht, um die Märkte zu verunsichern. Die Autorin ist Korrespondentin in Mailand. Sie erreichen sie unter:

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Italien: Der lange Schatten Berlusconis"

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  • wenn die IT den wieder wählen ist ihnen nicht zu helfen...

    das wäre so als wenn wir kohl reaktiviern würden...

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