ITALIEN
Die ölig-schwarze Eminenz

Wenn Franco Frattini in Rom den Posten des Außenministers antritt, wird nicht nur der Regierungschef Silvio Berlusconi die Richtung vorgeben. In Italien gibt es eine andere Eminenz, die die Außenpolitik beeinflusst.
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Allerdings ist sie nicht grau, sondern ölig-schwarz. Mit Eni verfügt das Mittelmeerland, das kaum eigene Energie-Ressourcen hat, über einen der größten Öl- und Gaskonzerne der Welt. Mit einem Umsatz von 87 Milliarden Euro ist er weltweit die Nummer sechs der Branche, nach Exxon-Mobil, Royal Dutch-Shell, BP, Total und Chevron. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 100 Mrd. Euro ist das Unternehmen der größte italienische Börsenwert – mehr als doppelt so groß wie die Deutsche Bank und rund zehn Milliarden mehr wert als Eon.

So eine Perle lässt die Politik nicht allein. Italiens Regierungen haben stets als Wegbereiter für Eni gedient, zumal der Staat noch mit knapp einem Drittel an dem Unternehmen beteiligt ist. Das wird auch unter dem neuen Außenminister Franco Frattini so bleiben. Grund dafür sind zum einen die großzügigen Dividenden. Immerhin hat Eni in den vergangenen Jahren stets fast die Hälfte seiner Gewinne an seine Aktionäre ausgezahlt. Und die können sich sehen lassen: 2007 waren es rund zehn Milliarden Euro.

Italiens Außenpolitik als Eni-Botschafter beruht nicht nur auf den satten Dividenden, die sich der Staat von seiner Beteiligung verspricht. Mit Grauen erinnert man sich in Italien an Silvester 2006, als die Gas-Lieferungen durch die Probleme in der Ukraine gefährdet waren und Italien nicht nur Kälte, sondern auch Stromausfall drohte. Gas spielt für Italien eine entscheidende Rolle: Während in Europa nur ein Viertel des Energiebedarfs durch Gas gedeckt wird, sind es in Italien rund 40 Prozent. Bei der Stromgewinnung macht Gas sogar 60 Prozent aus.

Kein Wunder also, dass die italienische Außenpolitik als Wegbereiter des Unternehmens dient. Da Eni im eigenen Land nur ein Zehntel seines Bedarfs fördern kann, sind die Beziehungen zu anderen Staaten fundamental. Und die liegen meist in heiklen Regionen. Eni fördert in Ländern wie Russland, Algerien und Libyen. Hinzu kommen weitere Länder in Afrika und im Osten Europas.

Das 1953 gegründete Staatsunternehmen hat schon in den 60er-Jahren Abkommen mit der Sowjetunion geschlossen, Anfang der 70er-Jahre mit Algerien. Roms Regierungen stehen dem Konzern stets zur Seite, auch bei den Beziehungen zu Libyen. Selbst nach dem amerikanischen Embargo blieben die Geschäftsbeziehungen intakt. Die aktive Hilfe seitens der Regierung dürfte europäische Konkurrenten wie BP und Royal Dutch-Shell neidisch werden lassen.

BP bekommt gerade in diesen Tagen bei seinem russischen Joint Venture TNK-BP den Einfluss des russischen Staats zu spüren. Ob Gordon Brown sich ähnlich stark in Moskau einsetzen wird, wie italienische Politiker es tun, ist fraglich.

Eni hält in Russland nicht nur Beteiligungen und eine Partnerschaft mit Gazprom. Im November 2007 hat Eni zudem ein Joint Venture für das Projekt South Stream gegründet. Diese Gaspipeline soll Südrussland über das Schwarze Meer an der Türkei vorbei durch Griechenland und das Mittelmeer direkt mit Süditalien verbinden. Das Projekt ist aus italienischer Sicht nachvollziehbar. Aber es steht im klaren Gegensatz zur von EU und USA unterstützten Nabucco- Pipeline, die gerade die Abhängigkeit vom russischen Gas verringern soll, indem sie das Kaspische Meer umgeht und Erdgas von Zentralasien über die Türkei nach Europa leitet.

Doch sosehr Silvio Berlusconi sich auch als unbedingter Anhänger Amerikas gibt: Im Verhältnis zu Russland gelten andere Prämissen. Solange Italien auf Kernenergie verzichtet und trotz bester Voraussetzungen alternative Quellen wie Sonnenenergie sträflich vernachlässigt, wird das Land auf gute Beziehungen zu Russland angewiesen sein. Wladimir Putin, damals noch russischer Staatspräsident, jetzt Regierungschef, hat Berlusconi bereits im April auf Sardinien besucht, noch bevor der vereidigt war. Beide sollen auch über Energieprojekte gesprochen haben.

Italiens Außenpolitik wird erst souveräner agieren können, wenn die hohe Abhängigkeit von den Energiereserven Russlands und anderer kritischer Länder abnimmt.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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