Italien: Widerliche Spielchen

Italien
Widerliche Spielchen

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Der Vorsitzende einer Splitterpartei stürzt die ohnehin schwächelnde Regierung von Romano Prodi in die Krise. Und das nicht etwa aus inhaltlichen Gründen, sondern weil die Staatsanwaltschaft gegen ihn und seine Frau ermittelt und er sich von seinen Alliierten nicht genügend gestreichelt fühlt. „Mangelnde Solidarität“ wirft der zurückgetretene Justizminister Clemente Mastella seinen Koalitionspartnern vor, weil sie sich nicht einstimmig vor ihn und gegen die Justiz gestellt haben.

Bei diesen italienischen Spielchen beleidigter Männer geht es nicht um die Sache, sondern um persönliches, politisches Kalkül. Mit seinem Rücktritt und den Forderungen nach sofortigen Neuwahlen will Mastella vor allem verhindern, dass ein neues Wahlgesetz verabschiedet wird, das für seine Splitterpartei Udeur das Aus bedeuten würde.

Ein Politiker, der seinen Wahlkreis als Provinzfürst mit seinem Clan führt, stürzt also ein ganzes Land in die Krise. Doch das Wohl des Landes interessiert die meisten italienischen Politiker schon lange nicht mehr. Ein wegen Begünstigung der Mafia verurteilter Präsident von Sizilien weigert sich, seinen Sessel zu räumen. Vorbestrafte Politiker füllen die Reihen des Parlaments. Die Justiz gerät nun auch ins Kreuzfeuer der Mitte-links-Politiker, seit sich Staatsanwälte erdreisten, auch gegen einige Exponenten der amtierenden Regierung zu ermitteln.

Kein Wunder, dass ein Buch mit dem Titel „Die Kaste“ über die Selbstbedienungsmentalität der italienischen Politiker ein Bestseller wurde. Kein Wunder auch, dass der erfolgreiche Satiriker Beppe Grillo ganze Plätze füllen kann, um den Politikern seine Kritik zuzurufen.

Die Italiener sind angewidert von der Politik. Aber eine Erneuerung ist nicht in Sicht.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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