IWF
Abwehrreflexe

Dem Internationalen Währungsfonds droht ein ähnliches Schicksal wie der Welthandelsorganisation: Im Kampf zwischen den großen Industriestaaten und den an die Macht drängenden Schwellenländern könnte er paralysiert werden.

Zwar hat IWF-Chef Rodrigo de Rato souverän die Anfangshürde für die erste Grundsatzreform des Fonds seit 60 Jahren übersprungen. Aber das will noch nicht viel heißen. Der wahre Machtkampf um die Neuordnung im IWF steht erst bevor. Einen Vorgeschmack auf die nächsten zwei Reformjahre hat Rato in Singapur bereits erhalten: USA und EU werden bei der Neuordnung der Stimmrechte nicht sang- und klanglos auf ihre Anteile verzichten. Länder wie China, Indien, Brasilien und Russland holen indes mit Riesenschritten auf. In wenigen Jahren schon, so prophezeit die Weltbank, werden sie das gewohnte Gefüge der großen Industriestaaten durcheinander geschüttelt haben. 2050 wird China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sein, wenn nicht gar die größte. Und angesichts solcher Machtverschiebungen lassen sich die BRIC-Staaten nicht mehr an den Katzentisch verbannen. Die globalen Institutionen wie IWF und Weltbank spüren diesen Druck ebenso wie die noch junge WTO.

Der Abwehrreflex der alten Welt ist verständlich. Doch er dürfte nur von begrenzter Dauer sein. Zwar betonen die Großen beim Handel und in Finanzfragen immer wieder die Bedeutung von Liberalisierung und Integration, von Reform und Öffnung. Doch hinter den Kulissen arbeiten sie mit harten Bandagen, um ihre Macht nur ja nicht teilen zu müssen. Noch sitzen sie am längeren Hebel. Doch es wäre kurzsichtig, wenn sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen. Die Zukunft gehört der neuen Welt – auch in den Institutionen dieser Welt.

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