IWF
Russisches Gehabe

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Mit der Nominierung des früheren tschechischen Notenbankchefs Josef Tovovsky hat Russland das Kandidatenkarussell für die Neubesetzung des Chefpostens beim Internationalen Währungsfonds (IWF) unvermutet erneut in Gang gesetzt. Eigentlich sollte nur der ehemalige französische Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn als Spitzenmann Europas ins Rennen geschickt werden. Ihm war die Wahl so gut wie sicher, denn die Europäer reklamieren seit Gründung der Bretton-Woods-Institutionen das Recht auf den IWF-Vorsitz für sich.

Nun ist auch Tovovsky Europäer, womit dem traditionellen Herrschaftsanspruch kein Abbruch getan würde. Doch Russland verletzt die bislang geübte Praxis aus taktischem Kalkül. Zum einen versetzt die Moskauer Regierung den Europäern einen Nadelstich. Zum anderen piesackt sie die USA, die sich wohl kaum einen Ex-Kommunisten als Gralshüter der Weltwährungsordnung vorstellen können. Pikanterweise wollen sich nicht einmal die Tschechen mit diesem Vorschlag anfreunden.

Was reitet die Russen also? Wohl in erster Linie Großmannssucht. Russen-Zar Wladimir Putin lässt keine Gelegenheit aus, um Amerikanern und Europäern die vermeintlich wiedererweckte Potenz Russlands zu demonstrieren. Beifall dürfte er dafür kaum ernten. Obwohl gerade die Schwellenländer, die für mehr Wettbewerb bei der Vergabe des IWF-Chefsessels eintreten, vernehmlich über das abgekartete Spiel der Europäer grummeln, werden auch sie das durchsichtige Treiben schnell durchschauen. Russlands Initiative hat weniger mit dem IWF als mit Machtgehabe zu tun. Putin nutzt Tovovsky kalt für seine Zwecke. Damit ist der als Kandidat schon verbrannt. Das hätte der tschechische Finanzexperte beizeiten merken müssen.

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