Kommentare

_

Jan Keuchel: Das Leben nach der Atomkatastrophe

Jan Keuchel ist unser Mann in Tokio. Er leidet mit Japan, weil es unter Fukushima leidet. Im Düsseldorfer Ständehaus berichtete Jan Keuchel über das „Leben nach der Atomkatastrophe“.

Tokio-Korrespondent Jan Keuchel Quelle: Pablo Castagnola
Tokio-Korrespondent Jan Keuchel Quelle: Pablo Castagnola

Als ich im letzten Jahr bei dieser Veranstaltung im Publikum saß und der Kollege aus China seinen Vortrag hielt, hab ich gedacht: Bis Japan dran kommt, da werden sicher noch einige Korrespondententagungen vergehen. Japan war bis dato zwar wirtschaftlich wichtig, die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt, aber in den Augen vieler auch langweilig. Eine saturierte Industrienation. Asien, das war: China, China und noch mal China.

Anzeige

Der 11. März hat das zumindest kurzzeitig geändert. China ist natürlich noch immer das Land, das die Weltwirtschaft antreibt. Aber wenn wir uns die Bilder dieses Jahres, die Bilder 2011 ins Gedächtnis rufen, dann werden wir sicher alle sehr früh an die Bilder des Erdbebens, des verheerenden Tsunamis denken, an die Atomkatastrophe von Fukushima. Insofern war mir schon recht früh klar, dass ich dieses Jahr hier oben stehen werde.

Ich stehe hier mit sehr gemischten Gefühlen. Ich habe mich gefragt, ob ich ihnen heute die ganze Zeit von der traurigen Situation rund um Fukushima erzählen soll – denn die Situation ist wirklich bedrückend. Oder ob ich ihnen nicht auch etwas über Japan allgemein erzähle. Da nun aber die Redezeit von zehn auf sieben Minuten geschrumpft ist, will ich nur soviel sagen. Japan ist ein wirklich schönes Land mit sehr netten Menschen.

Gerd Höhler „Mein Griechenland“

Gerd Höhler lebt seit 32 Jahren in Athen. Er liebt Griechenland – trotz Schuldenkrise. Im Düsseldorfer Ständehaus berichtete er über sein Land. Seine Botschaft: Auf Griechenland kommt eine Lawine des Elends zu.

Gerd Höhler: „Mein Griechenland“

Der 11. März, Fukushima ist für mich ein sehr persönliche Kapitel. Ich habe das Erdbeben miterlebt, 40 Meter unter der Erde an einer U-Bahn Haltestelle, ich weiß jetzt, wie sich Todesangst anfühlt. Und ich werde in wenigen Tagen nicht mehr der Japan-Korrespondent des Handelsblatts sein. Ich habe die Chefredakion gebeten, mich vorzeitig abzuziehen, denn ich habe einen dreijährigen Sohn, für den ich die Verantwortung trage – und Tokio ist aus meiner Sicht zurzeit keine Stadt, in der man ein Kind sorgenfrei großziehen kann. Ich meine Sorgen vor Verstrahlung.

Ich bin im übrigen nicht der einzige, der so denkt. Meine Kollegin von der FAZ, ebenfalls mit Kind, hat die gleiche Konsequenz gezogen. Sie ist zum 1. Januar zurück in China. Die deutsche Außenhandelskammer sagt, dass keine Expatriats mehr nach Japan kommen, die kleine Kinder haben. Es gibt Botschaftsangehörige, die sich einer Versetzung nach Japan verweigern, der von der Botschaft empfohlene deutsche Arzt sagt, dass er kaum noch Patienten aus Deutschland und Frankreich hat.

Warum? Fukushima, das muss man wissen, ist aus den deutschen Medien zwar weitgehend verschwunden. Aber für Japan, für seine Bewohner, geht Fukushima täglich weiter. Wirklich jeden Tag ist das Thema auf der Seite 1 der Zeitungen.

  • 19.12.2011, 11:12 UhrDrJWilhelm

    Es wäre schön zu wissen, welche "neusten wissenschaftlichen Untersuchungen" hier gemeint sind, die die angebliche Verseuchung im "Osten und Nordosten Japans" belegen.
    In dieser Form, lieber Autor, ist dies pure Verleumdung ohne Differenzierung.
    Empörend!
    Dr. J. Wilhelm

  • 19.12.2011, 11:11 UhrDrJWilhelm

    Es wäre schön zu wissen, welche "neusten wissenschaftlichen Untersuchungen" hier gemeint sind, die die angebliche Verseuchung im "Osten und Nordosten Japans" belegen.
    In dieser Form, lieber Autor, ist dies pure Verleumdung ohne Differenzierung.
    Empörend!
    Dr. J. Wilhelm

  • 16.12.2011, 09:33 Uhrschmurf

    Genau, und da Grenzwerte je nach Katastrophe zurechtgelegt werden spricht das für wissenschaftliches Vorgehen. Bezug auf die Grenzwertänderung in der EU nach der Katastrophe in Japan. Wäre interessant welche Ausbildung sie geniesen, und wer sie für die pro Atomkraft Kommentare bezahlt. Ich behaupte ja nicht das Kernkraft nicht sicher seien kann, ich behaupte nur das aus Profitgier und Unterschätzung von Naturgewalten und anderen Faktoren das Risiko nicht tragbar ist. Übrigens könnten bei Haftungsansprüchen die Verursacher die Schäden nicht zahlen, was schon eindeutig das Kosten/Nutzen Verhältnis darlegt.

  • Kommentare
Kommentar: Nie wieder Banken retten!?

Nie wieder Banken retten!?

Mit Steuermilliarden mussten Pleitebanken wie Northern Rock gerettet werden. Die heute gegründete Bankenunion soll das ein für alle Mal beenden. Uns Steuerzahlern werden Pleitebanken dennoch weiter auf der Tasche liegen.

Kommentar: Ruandas Boom hat seinen Preis

Ruandas Boom hat seinen Preis

Ruanda gilt 20 Jahre nach dem Völkermord als Afrikas Vorzeige-Ökonomie. Hohes Wachstum, moderne Infrastruktur, niedrige Kriminalität – das Land macht eine erstaunliche Entwicklung durch. Doch die hat ihre Schattenseiten.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: VoRWEggehen ist teuer

VoRWEggehen ist teuer

RWE steckt in den Untiefen der Energiewende. Jogi Löws Herrenausstatter steckt in der Insolvenz. Ein Katastrophenfilm wird Wirklichkeit. Ein tschechischer Hotelier macht mobil gegen Russland. Der Tagesbericht.

Der Ver(un)sicherer: Wenn das Kollektiv implodiert

Wenn das Kollektiv implodiert

Wer eine private Krankenpolice hat, muss mit steigenden Beiträgen rechnen. Tarife mit einem hohen Anteil gesunder Mitversicherter sind dabei kostengünstiger. Was Versicherten in schlechten Tarifen droht.

Der Werber-Rat: Rasenmähen mit Monogramm

Rasenmähen mit Monogramm

Viele Kollegen glauben, unser Berufsstand werde unter Wert verkauft. Ich aber bin von ganzem Herzen Werber, denn es ist ein wunderbarer Job, in dem man viel bewegen kann. Was den Reiz des Berufes ausmacht.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag zur Bankenunion: „Feuer frei für alle Raubritter“

„Feuer frei für alle Raubritter“

Auf unseren Beitrag „Nie wieder Banken retten?!“ haben sich zahlreiche Leser gemeldet. Stellvertretend für viele andere schreibt der Vorstand einer Genossenschaftsbank, warum die Bankenunion die Falschen belastet.

Gastbeitrag Klaus Schuster: „Frauen bringen die Sache voran, Männer ihre Karriere“

„Frauen bringen die Sache voran, Männer ihre Karriere“

Klaus Schuster berät, coacht und trainiert Topmanager und junge Talente aller Branchen und Bereiche. In einem Gastbeitrag schreibt er über schlechtes Management und den kleinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Gastbeitrag zur IWF-Tagung: Keine Angst vor der Fed

Keine Angst vor der Fed

Das absehbare Ende der Niedrigzinspolitik in den USA sorgt in den Schwellenländern für Unruhe. Doch es bietet auch Chancen. Wenn die Schwellenländer ihre Strukturprobleme lösen, wird die Weltwirtschaft stabiler.

  • Presseschau
Presseschau: KfW schrumpft für die Konkurrenz

KfW schrumpft für die Konkurrenz

Der Gewinn der Bank KfW ist im vergangenen Jahr eingebrochen. Hinter der vermeintlich schlechten Nachricht verbergen sich aber positive Signale. Die KfW schrumpft für die Konkurrenz. Die Wirtschaftspresse begrüßt das.