Japan
Aufgehende Sonne

Stellen wir uns für eine kurze Glückssekunde vor, die folgenden Nachrichten kämen aus Deutschland: Die Wirtschaft wächst mit einer Jahresrate von 5,6 Prozent. Nach dem Exportboom springen nun auch die Investitionen und der Konsum im Inland kräftig an. Die Arbeitslosigkeit fällt auf vier Prozent.

Leider, leider kommen diese freudigen Botschaften nicht aus Deutschland. Sie stammen aus Japan – einem Land, das noch vor anderthalb Jahren als hoffnungsloser Fall in der Weltwirtschaft galt. Gerade deshalb sind die guten Nachrichten aus Japan auch gute Nachrichten für uns – wenn wir sie richtig zu lesen wissen.

Die großen japanischen Konzerne haben in den Krisenjahren genau das vollbracht, was viele deutsche Politiker am liebsten verhindern möchten: Sie haben die Chancen der internationalen Arbeitsteilung konsequent genutzt, nicht mehr wettbewerbsfähige Jobs in die Nachbarländer exportiert und ihre Investitionen konsequent auf die erfolgversprechendsten Absatzmärkte im Ausland konzentriert. Was auch in Japan zunächst als Gefahr einer „industriellen Aushöhlung“ diskutiert wurde, erweist sich nun als Schlüssel zur Gesundung: Japan profitiert gleichzeitig vom Wirtschaftsboom in Asien und in den USA. Das schafft Vertrauen auch im japanischen Binnenmarkt, trotz noch ungelöster Strukturprobleme und massiver staatlicher Verschuldung.

In Deutschland wird der Wandel im Land der wieder aufgehenden Sonne bisher kaum zur Kenntnis genommen. Obwohl die Regierungen beider Länder 2005 zum „Deutschlandjahr in Japan“ ausgerufen haben, zeigen sich die meisten deutschen Konzerne desinteressiert. Dabei bedeuten 5,6 Prozent Wachstum in Japan eine viel stärkere Expansion der Weltwirtschaft als neun Prozent Wachstum in der Volksrepublik China. Das Bruttosozialprodukt Japans übersteigt immer noch die Wirtschaftsleistung von China, Indien, Südkorea, Taiwan und Singapur – zusammengenommen. Der Großraum Tokio mit seinen 30 Millionen Einwohnern verfügt allein über mehr Kaufkraft, als eine Milliarde Chinesen aufbieten können. Viele deutsche Konzerne, die jetzt erst den Chancen in China hinterherhecheln, müssen ihre Asienstrategie wohl schon wieder neu bestimmen.

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