Jugendschutz
Schnapsidee

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Da hat sich die Familienministerin gründlich vergriffen. So richtig es ist, Kinder und Jugendliche vor Alkohol und Tabak zu schützen, so unsinnig ist die Idee, die Ursula von der Leyen in die Welt gesetzt hat. Wer Jugendliche als Hilfspolizisten in die Läden schickt, um Verkäufer, die es mit dem Gesetz nicht allzu genau nehmen, auf die Schliche zu kommen, erzieht sie zu Denunzianten. Wenn dieses Beispiel Schule macht, dann haben wir bald ein Heer von Spitzeln im Land. Der Ministerin ist offenbar nicht klar, was sie damit anrichtet.

Kinder und Jugendliche sollen geschützt und nicht als „Agent provocateur“ vorgeschickt werden, wenn der Staat seine Aufgaben nicht erfüllen kann. Um dem Missbrauch von Schnaps und Zigaretten, die ordnungswidrige Weitergabe von Gewaltvideos zu verhindern, sind die Behörden in der Pflicht. Und wenn sie für Kontrollen nicht genug Personal haben, dann müssen sie eben neues einstellen. Der Arbeitsmarkt ist längst nicht so leergefegt, dass Kinder in die Bresche springen müssen.

Der Vorstoß aus dem Familienministerium ist nicht nur moralisch höchst bedenklich, sondern auch juristisch. Die Grenzen für geltendes Recht werden bewusst verwischt, wenn Jugendliche als Lockvögel Ordnungswidrigkeiten provozieren sollen. Da nützen alle Beteuerungen wenig, dass Jugendämter diese Aktionen pädagogisch begleiten sollen. Worin liegt denn der pädagogische Wert solcher Testkäufe? Die Ministerin erzeugt bei den Jugendlichen doch zuallererst ein fragwürdiges Bild von einem Rechtsstaat, der Kinder anleitet, Gesetzesverstöße zu begehen und das auch noch mit ihrem Schutz begründet.

Das ist nicht nur mit der Würde von Kindern unvereinbar, sondern es ist auch ein eklatanter Missbrauch. Frau von der Leyen täte gut daran, diese Schnapsidee schnell wieder zu kassieren – bevor es die Kanzlerin tut.

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