Kampagne gerät außer Kontrolle
Kommentar: Ute in Absurdistan

Der sozialdemokratische Angriff gegen das Kapital nimmt absurde Züge an. Am Dienstag hat die stellvertretende SPD-Chefin Ute Vogt den Vogel abgeschossen.

Sie forderte die Konsumenten auf, jene Unternehmen zu meiden, die Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. Da hätte Frau Vogt auch gleich sagen können: Leute, geht nicht mehr zu Karstadt! Eröffnet bitte kein Konto mehr bei der Deutschen Bank! Und schafft euch auch keinen Porsche Cayenne mehr an, denn der wird ja zum großen Teil im Ausland gefertigt! Dass solche Aufrufe nicht sehr patriotisch klingen, haben die Sozialdemokraten immerhin noch gemerkt und ihre baden-württembergische Spitzenfrau eiligst wieder eingefangen.

Der Vorgang zeigt, wie schnell die emotionale Kampagne gegen die Unternehmer außer Kontrolle geraten kann. An der ökonomischen Realität in unserem Land läuft sie sowieso total vorbei. Der globalisierte deutsche Konsument schert sich schon lange nicht mehr darum, ob seine Produktwahl der Beschäftigung in unserem Land nützt. Jüngster Beweis dafür sind die gestrigen Erfolgsmeldungen von Toyota. Obwohl der japanische Konzern in Deutschland keine Autos baut, verkauft er hier mehr davon als je zuvor. Offenkundig überzeugen die Asiaten ihre deutsche Kundschaft mit einem relativ besseren Preis-Leistungsverhältnis.

Was einmal mehr zeigt, dass nicht der Kampf gegen das Kapital dem deutschen Standort nützt, sondern der Kampf um niedrigere Kosten und um mehr Qualität. Dazu gehört eine vernünftige Wirtschaftspolitik, die Arbeitskosten senkt und Innovationen fördert. Doch diese Wahrheit will die SPD ihrer Gefolgschaft in Wahlkampfzeiten nicht mehr zumuten und setzt stattdessen auf Stammtischparolen.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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