Kampf um ABN Amro
Das Endspiel hat begonnen

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Fred Goodwin sucht die Entscheidung – fast um jeden Preis. Der Chef der Royal Bank of Scotland (RBS) spielt im Kampf um die niederländische Traditionsbank ABN Amro mit hohem Einsatz und mit hohem Risiko, ganz so wie man es von dem schottischen Hasardeur gewohnt ist, der schon viele Übernahmeschlachten im Handstreich gewonnen hat.

Am Montag entschied sich die Bietergruppe rund um die RBS weiterhin 38,40 Euro je Aktie für ABN zu bieten, obwohl La Salle, die begehrte US-Tochter der Niederländer nicht länger zur Verkaufsmasse gehört. Am Freitag hatte das oberste niederländische Gericht entschieden, dass ABN das amerikanische Geschäft wie geplant an die Bank of America verkaufen darf. Die Abspaltung ist ein wichtiger Bestandteil der Einigung mit der britischen Bank Barclays, mit der sich ABN im Frühjahr auf eine freundliche Übernahme verständigt hatte. Allerdings will Barclays nur 63 Mrd. Euro in Aktien für die niederländische Bank bezahlen, die RBS dagegen bietet 71 Mrd. Euro und den Löwenanteil davon in bar.

Das neue Angebot läutet die Endphase im Kampf um ABN ein. Nach der neuen Offerte dürfte es ABN schwer fallen, weiterhin das deutlich niedrigere Angebot von Barclays zu unterstützen, und die Wahrscheinlichkeit, dass die Briten ihre Offerte noch einmal aufstocken ist ziemlich gering. Barclays fehlen die Mittel, außerdem hat sich die Bank bereits Ärger mit einem Hedge-Fonds eingehandelt, der das Geldhaus zwingen will, den Übernahmeplan aufzugeben, weil er Wert vernichte.

Barclays bleibt nur eine Chance: Die Bank müsste sich einen oder mehrere Partner für den teuren Zukauf zu suchen und selbst ein Bieterkonsortium auf die Beine stellen. Theoretisch könnten sich die Briten mit den Niederländern auch auf weitere Verkäufe von ABN-Teilen verständigen. Nach dem juristischen Hickhack um die Abspaltung von La Salle ist das aber wenig wahrscheinlich. Den Engländern läuft außerdem die Zeit davon. Bis zum 23. Juli müssen sie, genau wie die RBS, ihre endgültige Offerte auf den Tisch legen.

Barclays kann die schottische Konkurrenz im Kampf um ABN kaum noch stoppen. Dennoch ist der Weg für RBS-Chef Goodwin noch nicht frei. Da sind zum einen die eigenen Aktionäre, die sich völlig zu recht fragen werden, warum ABN ohne La Salle genau so viel wert sein soll wie mit. Viele Anteilseigner sehen die Übernahme ohnehin kritisch, weil sie Goodwin eine Reihe teurer Übernahmen in der Vergangenheit noch nicht verziehen haben.

Zum anderen sieht auch die niederländische Finanzaufsicht die Pläne der RBS-Gruppe kritisch, und das ist durchaus plausibel: Das Dreier-Konsortium will ABN nach der Übernahme zerschlagen und unter sich aufteilen. Große Übernahmen sind bereits kompliziert genug, an einem derart komplexen Deal hat sich aber noch kein Institut versucht.

Käme die RBS zum Zuge, stünde ABN eine Zeit großer Unsicherheit mit erheblichen Stabilitätsrisiken bevor. Fred Goodwin hat am Montag eine vorentscheidende Schlacht gewonnen, der Krieg wird sich noch eine Weile hin ziehen.

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