Kampf um Endesa
Kommentar: Niederlage für Bernotat

Das lange Drama geht endlich zu Ende: Im seit mehr als einem Jahr anhaltenden Übernahmekampf um den spanischen Energiekonzern Endesa gibt es eine Einigung. Der Düsseldorfer Eon-Konzern hat sich mit seinen beiden großen Widersachern Enel und Acciona auf einen Kompromiss verständigt.

Eon-Chef Wulf Bernotat hat das große Ziel nicht erreicht und muss die Hoffnung auf die vollständige Übernahme von Endesa begraben. Statt dessen wird er nur einen Teil des Endesa-Konzerns bekommen, wahrscheinlich ist es etwa ein Viertel des Unternehmens, überwiegend außerhalb Spaniens.

Bernotat hat ohne Zweifel eine Niederlage erlitter, das steht außer Frage. Der Übernahmeversuch in Spanien hat den deutschen Konzern viel Kraft und Geld gekostet, zum Teil sogar auch blockiert. Insofern ist es eine gute Nachricht, dass der Kampf um Endesa das Ende erreicht hat. Eon bekommt immerhin ein Teil von Endesa – ein Trostpflaster.

Aber es bleiben große Fragen, wie es mit dem Eon-Konzern weitergehen wird. An die 40 Milliarden Euro wollte Wulf Bernotat für den Kauf des spanischen Konkurrenten ausgeben. Jetzt braucht er nur einen kleinen Teil dieses Geldes und bleibt auf einem riesigen Milliardenbetrag sitzen, von dem er zunächst nicht weiß, was er damit machen soll.

Das ist das Problem von Eon: Der Konzern aus Düsseldorf wird wegen seiner ungenutzen Milliardenbeträge zu einem lukrativen Ziel für Finanzinvestoren. Das ist die interessante Wendung des Übernahmekampfes um Endesa. Bernotat muss eine schnelle Alternative für seine freien Milliardenbeträge suchen. Er kann eigene Aktien zurückkaufen oder auch eine Sonderdividende an seine Aktionäre ausschütten. Doch beides wäre ein passiver Schritt, der dem Unternehmen auf der operativen Seite nichts bringt.

Ein lukrativer Zukauf an Stelle von Endesa – das ist das, was Eon jetzt braucht. Doch ein schnelles Übernahmeziel zu finden, wird alles andere als leicht sein. Eon stehen extrem interessante Wochen bevor.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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