Kandidatenkür: Keine Notlösung

Kandidatenkür
Keine Notlösung

Der Chef des Internationalen Währungsfonds Horst Köhler ist ein guter Ersatz als Kandidat der Union für den Bundespräsidenten - so gut, dass er nicht als Notlösung nach der Ablehnung von Wolfgang Schäuble durch die FDP erscheint.

Der Chef des Internationalen Währungsfonds Horst Köhler ist ein guter Ersatz als Kandidat der Union für den Bundespräsidenten - so gut, dass er nicht als Notlösung nach der Ablehnung von Wolfgang Schäuble durch die FDP erscheint. Der besondere Charme des Vorschlags, den auch die FDP unterstützt: Der CDU-Mann Köhler hat umfangreiche politische Erfahrung, ohne ein Berufspolitiker zu sein, der am Ende seiner Laufbahn noch eine Ehrenrunde als Bundespräsident einlegt.

Köhler hat praktische Politik gestaltet, national wie international: Bei der Einleitung der deutschen und der Europäischen Währungsunion, in der G 7 als Sherpa des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl und in komplizierten Verhandlungen mit Russland.

Er musste nie wie andere Politiker in Wahlen um Mehrheiten kämpfen. Doch Köhler ist dazu in der Lage, jedem denkbaren Publikum auch komplizierte politische und wirtschaftliche Sachverhalte in einer verständlichen Sprache näher zu bringen - und das ist schließlich eine der wichtigsten Aufgaben des Bundespräsidenten. Die besondere Ironie des Vorschlags mag man darin sehen, dass Köhler seinen jetzigen Posten der SPD verdankt, genauer dem Bundeskanzler Gerhard Schröder, der ihn gegen den anfänglichen Widerstand der Amerikaner durchsetzte.

Schröders eigene Kandidatin, die Wissenschaftlerin und Hochschulrektorin Gesine Schwan, ist von ihrer Kompetenz her mehr als eine pro-forma-Kandidatin. Doch eine Chance hat sie gegen den von Union und FDP geschlossen getragenen Kandidaten Köhler nicht.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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