Kapitalaufstockung
Keine Panik – die EZB hat reichlich Kapital

Die EZB stockt offenbar ihr Grundkapital auf. Es scheint, als habe sich die EZB mit dem Ankauf von Staatsanleihen übernommen. Doch der Eindruck täuscht. Für etwaige Verluste hat die EZB reichlich Polster.
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Die Europäische Zentralbank (EZB) plant nach einem offiziell weder bestätigten noch dementierten Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, ihr Grundkapital aufzustocken. Es beträgt derzeit 5,8 Milliarden Euro, davon sind gut vier Milliarden eingezahlt. Das sieht bei einer Bilanzsumme von 140 Milliarden Euro nicht nach viel aus. Allerdings muss man die EZB zusammen mit den 16 nationalen Notenbanken des Euroraums betrachten, mit denen sie das Eurosystem bildet. Denn ein Großteil der normalen und der krisenbedingten Operationen, die der EZB-Rat beschließt, werden von den nationalen Notenbanken abgewickelt und auf ihre Bilanzen genommen.

Insgesamt hat das Eurosystem eine Bilanzsumme von knapp zwei Billionen Euro, sowie Kapital und offene Rücklagen von 78 Milliarden Euro. Das scheint sehr wenig. Hinzu kommen jedoch knapp 300 Milliarden Euro stille Rücklagen, die in den zu sehr niedrigen Werten bilanzierten Gold- und Devisenreserven der Notenbanken stecken. Sehr vieles davon kann bei Bedarf leicht gehoben werden.

Selbst wenn die EZB und das Eurosystem also ihre Käufe von Staatsanleihen, die derzeit mit 72 Milliarden Euro erst einen geringen Anteil der Bilanzsumme ausmachen, kräftig ausweiten würde, bedeutetet das nicht, dass sie mehr Kapital bräuchte, um etwaige Verluste abdecken zu können. Die Polster dafür sind schon reichlich vorhanden. Die EZB und die Notenbanken des Eurosystems sind nicht einmal darauf angewiesen, Verluste zu decken. Sie können auch mit negativem Kapital, mit Verlustvorträgen operieren.

Es geht bei solchen Bilanzoperationen bei Zentralbanken also nicht wie bei "normalen" Unternehmen um die finanzielle Solidität und die Überlebensfähigkeit. Eine Aufstockung des Kapitals oder schon die öffentliche Diskussion darüber, wären vor allem ein Signal an Öffentlichkeit und Politik, dass der Aufkauf von Staatsanleihen nicht unbedingt umsonst ist, sondern mit Risiken behaftet, die letztlich auf die Staatshaushalte zurückschlagen könnten. Eine Kapitalerhöhung würde dafür sorgen, dass sich diese Risiken direkt als Ausgaben niederschlagen.

Die Alternative wäre, dass die Notenbanken abwarten, und wenn Verluste auftreten sollten, diese aus ihren stillen Rücklagen absorbieren. Das tun sie allerdings nicht gern, denn ihre stillen Rücklagen sind für die Notenbanken eine Verfügungsmasse, über die sie ohne jegliche Mitwirkung der Regierungen die Entscheidungsgewalt haben. Das ist wichtig für ihre Stellung gegenüber der Politik.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Kapitalaufstockung: Keine Panik – die EZB hat reichlich Kapital"

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  • ..ist wieder mal Märchenstunde ?
    Die einzigen Reserven die die EZb hat, sind die deutschen Steuergelder !

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