Karstadt-Quelle
Kommentar: Der Baustellen-Leiter

Noch ist das letzte Wort beim angeschlagenen Handelsriesen Karstadt-Quelle nicht gesprochen. Doch es verdichten sich die Hinweise, dass schon bald Klaus Eierhoff, Vertrauter des charismatischen Aufsichtsratschefs Thomas Middelhoff, den Chefsessel in der Essener Konzernzentrale einnehmen wird. Ob der frühere Bertelsmann-Vorstand und heutige CEO des Logistikkonzerns Thiel der schweren Sanierungsaufgabe gewachsen ist, erscheint fraglich.

Zumindest bei Bertelsmann hat Eierhoff verbrannte Erde hinterlassen. Er war so etwas wie sein eigener Krisenmanager. Die Zahl der Baustellen war am Ende groß. Ein Beispiel war der von Eierhoff ausgebaute Internet-Buchhändler BOL (Bertelsmann Online). Hohe Fixkosten, üppige Verwaltung und teure IT-Systeme ließen das Internetgeschäft scheitern.

Bei seinem Abgang im Sommer 2002 hinterließ Eierhoff im Club- und Internetbereich ein Chaos. Es gelang ihm nicht, die Direct Group, in der alle Endkundengeschäfte von Bertelsmann (Clubs, E-Commerce) gebündelt sind, aus den roten Zahlen zu bringen. Erst sein Nachfolger, Ewald Walgenbach, schaffte schließlich mit einem harten Sanierungskurs den Turn-around.

An großen Ideen hat es dem Middelhoff-Vertrauten schon damals nicht gemangelt. Doch in der Praxis haben sich die innovativen Ideen von Eierhoff, etwa der Start der damals neuen wie teuren Software CCIT, bei den Buchclubs häufig als Fehlschlag erwiesen. Zum Schluss klappte nicht einmal mehr die Auslieferung. Tempi passati.

Im Fall von Karstadt-Quelle darf sich der Nachfolger von Konzernchef Christoph Achenbach keine neuen Baustellen oder teuren Ideen leisten. Er muss schnell sanieren und das Geschäft wieder vorantreiben. Ein Baustellen-Leiter reicht daher nicht.

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