Karstadt-Quelle
Kommentar: Entkernter Konzern

Nein, Karstadt-Quelle werde nicht zerschlagen, predigte Konzernchef Thomas Middelhoff zuletzt jedes Mal, wenn ihm Wirtschaftsjournalisten gegenübersaßen. Seit gestern wissen wir es besser: Der angeschlagene Konzern setzt seinen gesamten Immobilienbesitz auf die Verkaufsliste und verliert, falls der Deal gelingt, seinen einzig werthaltigen Unternehmenskern. Immerhin 2,8 Milliarden Euro sollen die Warenhäuser und Logistikimmobilien bringen – 400 Millionen Euro mehr, als Karstadt-Quelle derzeit an der Börse wert ist.

Der verbleibende Restkonzern wird damit rein rechnerisch mit einem Minus bewertet, und das hat durchaus seinen Grund: Im vergangenen Jahr schrieben alle übrigen Konzernsparten – Warenhäuser, Versandhandel sowie Dienstleistungen – tiefrote Zahlen. Verdient wurde allein mit den Immobilien.

Dass Konzernchef Middelhoff nun zum Tafelsilber greift, zeigt, in welch verzweifelter Lage sich der Konzern befindet. Schon Middelhoffs glückloser Vorgänger Christoph Achenbach hatte zunächst in seinem Sanierungsprogramm umfangreiche Immobilienverkäufe angekündigt, die Trennung von den wertvollsten Assets seines Konzerns später aber aufgegeben. Diese Zurückhaltung ist nun vorbei. Schließlich verharrt die Eigenkapitalquote immer noch – trotz Kapitalerhöhung und umfangreicher Firmenverkäufe – weit unter zehn Prozent. An allen Enden gilt es, finanzielle Löcher zu stopfen.

Fraglich allerdings bleibt, womit der Konzern künftig sein Geld verdienen wird. Weder für das Warenhausgeschäft noch für den Versandhandel ist eine nachhaltige Belebung in Sicht. Zwar werden Fußball-Weltmeisterschaft und Jubiläumsverkäufe im kommenden Jahr eine Belebung bringen. Langfristig setzt der Konzern aber auf auslaufende Vertriebsformen.

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