Kaufmannstugenden Ehrbarkeit ist das wichtigste Kapital

Die Pleite zahlreicher Traditionsfirmen wird zum heilsamen Schock: In der Krise entdecken die Familienunternehmer die Kaufmannstugenden des Mittelalters als Rezept für die Zukunft. Das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns ist nicht von Gutmenschen entwickelt worden, sondern von Geschäftsleuten, die wussten, dass Vertrauen ihr wichtigstes Kapital ist.
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Es sind die Namen der gescheiterten Unternehmen, die aufrütteln. Wie Märklin, Quelle, Schiesser oder Rosenthal - Unternehmen, die jahrelang als Synonym für Erfolg "made in Germany" standen. Quelle: dpa

Es sind die Namen der gescheiterten Unternehmen, die aufrütteln. Wie Märklin, Quelle, Schiesser oder Rosenthal - Unternehmen, die jahrelang als Synonym für Erfolg "made in Germany" standen.

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DÜSSELDORF. Das Entsetzen war mit Händen greifbar. Da setzte ein allseits hochrespektierter und erfolgreicher Familienunternehmer sein Lebenswerk mit riskanten Wetten aufs Spiel. Das Firmenimperium des Adolf Merckle war dadurch so sehr geschwächt, dass als Rettung schließlich nur noch die Zerschlagung blieb. Und ihn selber hat es so gebrochen, dass er den Freitod suchte.

Auch bei Winfried Kill wollte es keiner glauben. Mit waghalsigen Garantien für einen Geschäftsfreund riskierte der bis dahin solide Mittelstandsinvestor nicht nur sein Vermögen, sondern auch das seiner Verwandten. Nach Angaben seiner Familie war der Indus-Gründer zum Zeitpunkt der Geschäfte schwer depressiv und deswegen nicht geschäftsfähig. Doch niemand stoppte ihn.

Die Fälle Adolf Merckle und Winfried Kill sind nicht nur persönliche Tragödien. Sie wirken wie ein Fanal in einem Jahr, das den deutschen Mittelstand entzaubert hat. Denn jenseits aller Tragik zeigen sie eins mit aller Deutlichkeit: Schleichend haben sich viele Familienunternehmen von den Idealen der Gründerzeit nach dem Krieg verabschiedet. Jahrelang hat geschäftlicher Erfolg dies kaschiert. Doch nun legt die aktuelle Wirtschaftskrise die Schwächen schonungslos offen.

Ein idealisiertes Bild des Mittelstands

In Sonntagsreden wird gerne noch ein idealisiertes Bild des deutschen Mittelstands gezeichnet: Corporate Governance – das ist doch etwas für anonyme Aktiengesellschaften. Der Familienunternehmer handelt aus sich heraus verantwortungsbewusst, wirtschaftet nachhaltig, weil er schon an die nächsten Generationen denkt, häuft keine Schulden an und geht Risiken nur sehr begrenzt ein.

Doch die Wirklichkeit sieht leider häufig anders aus. Jedes dritte deutsche Unternehmen – und die meisten davon sind Mittelständler – arbeitet nach Berechnungen der Kreditauskunftei Creditreform immer noch mit einer Eigenkapitalquote, die unter der als kritisch gesehenen Grenze von zehn Prozent liegt. Und eine effektive Kontrolle des wirtschaftlichen Handelns findet häufig nicht statt. Wohin das im Extremfall führen kann, hat das Beispiel Porsche gezeigt: Einsame Entscheidungen der Familiengesellschaften und der Führungsmannschaft haben bei der versuchten Übernahme von Volkswagen nicht nur die Aktionärsinteressen mit Füßen getreten, sondern letztlich das Unternehmen die Selbstständigkeit gekostet. Und durch den Versuch der versteckten Übernahme mittels Aktienoptionen viel Reputation über die eigene Branche hinaus.

Reihenweise sind in diesem Jahr Unternehmen in die Insolvenz gegangen, rund 38 000 wird es bis Jahresende schätzungsweise erwischt haben. Doch es ist nicht die schiere Zahl, die am meisten erschreckt. Die Rekordmarke aus dem Jahr 2003 mit 39 470 Firmenpleiten wird wohl nicht erreicht. Es sind die Namen der gescheiterten Unternehmen, die aufrütteln: Märklin, Quelle, Schiesser, Schimmel, Rosenthal, Karmann. Ikonen der deutschen Wirtschaftsgeschichte, die in der Öffentlichkeit jahrzehntelang als Synonym für Erfolg „made in Germany“ standen.

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10 Kommentare zu "Kaufmannstugenden: Ehrbarkeit ist das wichtigste Kapital"

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  • Finde es total angebracht diese Tugend wieder aufzupollieren, wenn ich das Woirt benutzen darf. Wie ueberall auf der welt habe ich in meinem land argentinien auch viele beispiele von Nichtehrbarkeit. Am ende der geschichte aber platzt alles in 1000 scherben. Luegen bringt gar nichts ein. Nur verdruss und auch viele selbstmorde da der verursacher es letztlich nicht meistern kann.

  • Warum werden eigentlich immer nur die Negativbeispiele genannt....? ist etwas typisch deutsches, immer das negative zu sehen und zu klagen. Wir haben im deutschen Mittelstand eine unzaehlige Menge Unternehmen, die erstens sehr erfolgreich sind, und die auch viel Veantwortung fuer ihre Mitarbeiter zeigen. Nehmen wir nur mal Solarworld oder viele Maschinenbauer. Die wissen, dass ihre Mitarbeiter das Lebenselixier der Firma sind und viele Mitarbeiter und Geschaeftspartner anderer auslaendischer Firmen haben eine sehr hohe Meinung vom deutschen Mittelstand. Nur das Handelsblatt scheinbar nicht..... nur Warnungen wegen der 1 Promille an Unternehmen, bei denen was schiefgelaufen ist..... bringt mal einen bericht ueber Vorzeigeunternehmen und deren erfolgreiche Mitarbeiter....haetten dann alle mehr davon......

  • der Artikel ist sehr gut und enthält viele Grundweisheiten - weitere Weisheiten zur nachhaltigen Unternehmensführung finden Sie unter www.aknu.org im breich Klarttxte

  • Na liebe Handelsblatt-Redaktion....die Worte lesen wir schon, allein uns fehlt der Glaube. Ein in seiner intention wohl ehrbarer Artikel, bitte dann demnächst öfter über die Ehrbaren unddie Unehrlichen berichten. Die krise hat ihr Gutes, wenn solche Tugenden nicht mehr belächelt werden, sondern Tugendhaftigkeit an sich wieder gelebt wird, egal ob es jemand honoriert oder nicht.

  • der Artikel hat Nichts als Recht.

    ich habe vor etlichen Jahren Geschaefte in China gemacht, und dabei genau genommen Nichts anderes als Sicherheit gehabt, das das Vertrauen in die Partner. Das ist Kapital.

    Dieses Kapital muessen wir zurueckgewinnen. Sonst reisst uns die naechste oder uebernachste Krise auseinander.

    Euer
    Rainer

  • Guten Tag,..........bringt jemand es durch Ruecksichtslosigkeit, betrug, Dummheit, oder Gewalt zu Macht, dann kuessen ihm alle den Aar.... Hollt ihn aber irgendwann der Teufel ein, so fallen ihm alle in den Ruecken. ( es ist ja auch nicht weit vom Hintern entfernt, es sind knappe 10 Centimeter. ) besten Dank

  • Es gibt sie mit Sicherheit ehrbare Geschäftsleute, Wolfgang Grupp der Chef von Trigema gehört dazu.

    Aber wie kommen Eigenschaften dieser hochzuachtenden Menschen ins Hb? Eigentlich zählt doch hier nur Rendite und das schnelle Geld, das Hinterherjagen hinter jeden noch so dummen Trend.

    Richtige Unternehmer wie H.Grupp werden doch hier nur belächselt und ob ihrer fehlenden Gier mitleidig beäugt.

    Viel lieber berichtet man z.b. über Schlecker, wo die MA bis aufs Mark ausgenommen werden, der Rendite wegen. Und von Ackerman und Co, die Unternehmen in den Ruin schicken, wegen 30% Rendite und mehr.

    Also, ein schöner Weihnachtsartikel, der uns daran erinnert daß es noch intelligenz und Anstand gibt -mehr leider nicht. in dieses blatt passt er nicht.

  • Zuerst die größten Luschen, betrüger und Finanzakrobaten zu den Unternehmern des Jahres ausrufen und dann plötzlich ein Loblied auf den ehrbaren Kaufmann singen? ich lache mich kaputt. ist hier ein Artkel durch die interne Zensur des Handelsblatts gerutscht.
    Wenn das hier ehrlich gemeint ist, dann müsste morgen als Forderung der Abgang von Ackermann und Coll. in der Druckversion stehen. Sollte das wirklich eines Tages sder Fall sein, hänge ich mir die Ausgabe gerahmt an die Wand ...

  • Leider bin ich mir nicht sicher wie lange das hochreden der Kaufmannstraditionen bestand haben wird. Vielleicht sollten sich die Unternehmer wieder auf Traditionen und Achtung der Gesellschaft zurück besinnen. ich kann meinen Reichtum nur auf Dauer, somit beständig mehren, wenn ich ehrlich wirtschafte und meine Umwelt um mich herum, Mitarbeiter, Gemeinden, Landkreise usw. auch etwas von meinem Erfolg abhaben werden. Denn nur zufriedene Menschen sind produktiv und sorgen für Wachstum. Damit hab ich als Unternehmer auch einen Mehrwert. Vielleicht sollten einige mal das buch von Dr. bianca braun lesen. Unternehmer geführte Unternehmen.

  • Genauso ... das spricht mir aus der Seele. Leider gibt es zuviele schlechte beispiele und Verführungen. Leider leider werden diese dann auch noch in vielen Medien nicht entsprechend negativ belegt.

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