Kernenergie
Kommentar: Sonderweg

Die EU will gemeinsam für den Klimaschutz kämpfen. Dabei kann sie das umstrittene Thema "Kernkraft" aber nicht ausklammern.
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Das Thema Energie steht in Europa derzeit ganz oben auf der Agenda. Ob Preisentwicklung, Klimaschutz oder Versorgungssicherheit – die Europäische Union (EU) versucht mit Vehemenz, eine einheitliche Linie zu finden. Ein zentrales Thema wird dabei freilich ausgeklammert: die Zukunft der Kernenergie. Jeder Staat verfolgt eine eigene Politik. Der starre Ausstiegsbeschluss Deutschlands erweist sich dabei zunehmend als problematischer Sonderweg.

Die gemeinsamen energiepolitischen Ziele der EU lassen sich nur schwer definieren, wenn die Frage der Kernenergie ausgeklammert wird. Beispiel Klimaschutz: Die EU setzt sich ehrgeizige Ziele, um den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids nachhaltig zu senken. Ob diese zu erreichen sind, hängt entscheidend davon ab, wie die Mitgliedstaaten zur faktisch CO2-freien Kernenergie stehen. Auch für die Versorgungssicherheit und die Preisentwicklung ist die Haltung zur Kernkraft zentral. Verzichten die Mitglieder auf breiter Front auf Kernenergie, erhöht sich die Abhängigkeit von den importierten Brennstoffen Kohle und Gas, deren Preise stetig steigen.

Deutschland wird Mühe haben, die Klimaschutzvorgaben der EU-Kommission zu erfüllen, wenn es beim politisch gewollten Ausstieg aus der Atomkraft bleibt. Gleichzeitig ist die Versorgungssicherheit bedroht, weil der Bau von Kohlekraftwerken erschwert wird und der geplante Ausbau der erneuerbaren Energien ambitioniert ist.

Andere Länder, allen voran Großbritannien, aber auch die osteuropäischen, setzen dagegen auf neue Reaktoren. Sie verbessern ihre CO2-Bilanz und sichern ihre Stromproduktion – und sie setzen Deutschland unter Zugzwang, die eigene Haltung zu überdenken.

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