Kernkraft
Warten ist keine Option

Mit der Panne im Vattenfall-Kraftwerk Krümmel gerät die gesamte Atom-Branche unter Generalverdacht. Wenn schon vergleichsweise harmlose Vorfälle nicht professionell gemanagt werden können, was, bitte schön, passiert, wenn sich tatsächlich einmal ein Störfall ereignet? Die Betreiber können sich nicht wegducken - sie müssen in die Offensive gehen.
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Mit der neuerlichen Panne im Kernkraftwerk Krümmel landet das Thema Kernkraft dort, wo es kaum jemand haben will: mitten im Bundestagswahlkampf. Die Kraftwerksbetreiber wollten erst nach dem Wahltag publik machen, welchen Preis sie zu zahlen bereit sind, um von einer künftigen Bundesregierung grünes Licht für längere Kraftwerkslaufzeiten zu bekommen. Jetzt dürfte das eiserne Schweigen kaum mehr durchzuhalten sein. Wenn es in den kommenden Wochen für die Unternehmen schlecht läuft, werden sie zumindest ein paar Karten auf den Tisch legen müssen.

Mit der Panne im Vattenfall-Kraftwerk gerät die gesamte Branche unter Generalverdacht. Wenn schon vergleichsweise harmlose Vorfälle nicht professionell gemanagt werden können, was, bitte schön, passiert, wenn sich tatsächlich einmal ein Störfall ereignet? Das Missmanagement bei Vattenfall färbt auf die anderen drei Betreiber ab.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel nutzt die Schwäche sogleich aus: Die Atomaufsicht gehöre gebündelt, einige ältere Kernkraftwerke sollten sicherheitshalber sofort ganz vom Netz, sagt der Minister. Gabriel will den Betreibern damit deutlich machen, welche Folterinstrumente er für die kommenden Wochen bereithält.

Längst folgen die Gegner der Kernkraft einer neuen Argumentationslinie, mit der sie die Befürworter zusätzlich unter Druck setzen: Sie verweisen darauf, die auf den kontinuierlichen Betrieb mit gleichbleibenden Produktionsmengen ausgerichteten Kernkraftwerke harmonierten ganz und gar nicht mit den volatilen erneuerbaren Energien. Wer den Systemwechsel hin zu den Erneuerbaren wolle, müsse sich erst recht von der Kernenergie verabschieden.

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