Kinderbetreuung
Schöne Krippenwelt

Der Begriff Krippe als Synonym für Kindergarten war aus dem deutschen Wortschatz eigentlich verschwunden. Allenfalls kinderlose Yuppies oder frühere Bürger in den Ostblockländern benutzten mitunter dieses Wort, das Assoziationen von liebloser Kinderaufbewahrung, zerkochtem Essen und einfaltslosem Tagesablauf mitschwingen lässt.
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Im Lexikon steht denn auch unter Kinderkrippe: „Tagsüber geöffnete Anstalt zur Unterbringung von Kindern berufstätiger Eltern.“ Wohlgemerkt: Unterbringung, nicht Betreuung, nicht Erziehung und schon gar nicht Förderung. Fortschrittliche Pädagogen waren froh, dass die Zeit der armseligen Kinderkrippen irgendwann einmal vorbei war. Stattdessen gibt es heutzutage moderne Kindertagesstätten, kurz Kitas, die sich an den Ideen des Kindergarten-Erfinders Friedrich Fröbel und an den Wertvorstellungen der Pädagogen Maria Montessori oder Rudolf Steiner orientieren. Kleinkinder werden in Kitas eben nicht nur gefüttert, gewickelt und ins Bett gelegt, sondern sie werden vielfältig gefördert.

Ob sich dieser hohe Standard künftig aufrechterhalten lässt, ist allerdings mehr als fraglich. Ein neues Gesetz zur Bildung von Kindern, das derzeit in Nordrhein-Westfalen auf den Weg gebracht wird, lässt starke Zweifel aufkommen. Seit mehreren Monaten fordern Politiker jeder Couleur unisono einen massiven Ausbau der so genannten Krippenplätze. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen übertrifft alle Erwartungen und will die Zahl der Betreuungsplätze für unter Dreijährige bis 2013 sogar auf 750 000 verdreifachen. Krippenplätze, wie die siebenfache Mutter selbst sagt. Keine Frage: Ein Ausbau des bislang dürftigen Angebots an öffentlichen Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder ist in Deutschland dringend notwendig. Studien belegen, dass dies sowohl die Berufstätigkeit junger Mütter deutlich steigert als auch die Geburtenrate insgesamt anheben kann.

Das Problem ist nur, dass sich die aktuelle Diskussion über die Betreuung von Kindern bislang rein um quantitative Größen dreht. Die Frage nach der Qualität der zigtausend neuen Betreuungsplätze wird überhaupt nicht gestellt. Jedes Bundesland will mit höheren Betreuungsquoten glänzen und ignoriert dabei wohl wissend die Tatsache, dass dies alles mit nur marginal höheren Mitteln nie und nimmer zu finanzieren ist. Zumindest dann nicht, wenn die Qualität der öffentlichen Betreuungsplätze beibehalten werden soll. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Eindrucksvoll lässt sich dies am Beispiel Nordrhein-Westfalens studieren. Dort will der amtierende Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sein Bundesland zum erklärtermaßen kinder- und familienfreundlichsten der Bundesrepublik formen. Als entscheidendes Instrument soll ihm dabei das neue Kinderbildungsgesetz dienen, das gerade vom Landtag verabschiedet wird. Darin steht: Die Zahl der Kitaplätze für unter Dreijährige soll bis 2010 auf 66

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