Kirch-Prozess
Breuer muss zurücktreten

Jeder macht Fehler. Selbst Banker, die mitunter auftreten wie der liebe Gott persönlich, können nicht immer alles richtig machen. Aber der Vorstandschef der führenden deutschen Bank darf sich in einem Bereich partout keinen Schnitzer leisten – bei der öffentlichen Bewertung einer ganz konkreten Kundenbeziehung.

Jeder macht Fehler. Jeder kann sich auch einmal verplappern. Selbst Banker, die mitunter auftreten wie der liebe Gott persönlich, können nicht immer alles richtig machen. Aber der Vorstandschef der führenden deutschen Bank, der gleichzeitig Präsident des Bankenverbandes ist, darf sich in einem Bereich partout keinen Schnitzer leisten – bei der öffentlichen Bewertung einer ganz konkreten Kundenbeziehung.

Rolf-E. Breuer, der in Frankfurt dank seiner Verdienste um die Internationalisierung der Deutschen Bank und die Modernisierung der Börse den Ehrentitel „Mr. Finanzplatz“ trägt, hat einen Riesenfehler gemacht, als er andeutete, dass der schwankende Medienkonzern Kirch von keiner deutschen Bank mehr Kredite zu erwarten habe. Mit dieser Bemerkung hat Breuer nicht nur zur Kirch-Pleite beigetragen, wofür sein Haus nun geradestehen muss. Der Schaden war noch viel größer: Damals, vor knapp zwei Jahren, war die Entrüstung bei anderen Banken und Mittelständlern groß, da sie um das Vertrauensverhältnis zwischen Kreditgebern und -nehmern fürchteten. Viele Breuer-Konkurrenten berichteten seinerzeit mit einer gehörigen Portion Schadenfreude, dass sich mancher Industrielle aus Protest von der Deutschen Bank abwenden wollte, um nicht eines Tages selbst Ziel einer öffentlichen Attacke zu werden.

Durch die jetzt erfolgte Verurteilung der Deutschen Bank zur Schadensersatzleistung hat Breuer, inzwischen Aufsichtsratschef, die Quittung für sein ungeschicktes Auftreten erhalten. Ob er deswegen nun zurücktreten muss, hängt in erster Linie von ihm selbst sowie seinen Kollegen im Bankenverband und Aufsichtsrat der Deutschen Bank ab. Fest steht, dass das Urteil und die möglichen Millionenforderungen an die Bank Breuer fortan wie ein Schatten verfolgen werden. Wie will er etwa als Bankenpräsident für die Erhaltung des Bankgeheimnisses kämpfen, wenn er sich selbst darüber hinwegsetzt? Wie will er die Kundenberater seines Hauses zu einem Höchstmaß an Diskretion ermahnen, wenn er selbst im Fernsehen über Problemfälle plaudert?

Wenn nicht weiterer Schaden entstehen soll und wenn Breuer seinen guten Ruf nicht nachhaltig zerstören will, muss er Größe zeigen und zurücktreten.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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