Kirch-Verkauf
Kommentar: Die unendliche Geschichte

Der Hollywood-Spieler Haim Saban hat mit hohem Einsatz und anfangs auch mit Fortüne gepokert. Doch zum Schluss musste der Hasardeur bei den Banken die Karten auf den Tisch legen, und siehe da: Er hatte keinen einzigen Trumpf mehr in der Hand.

Dass die Übernahme des Sender- und Filmimperiums von Leo Kirch durch den angeblich so reichen Onkel aus Kalifornien geplatzt ist, kommt nicht überraschend. Hinter vorgehaltener Hand wurde längst an der Finanzkraft des begnadeten Selbstdarstellers gezweifelt.

Die Banken stehen nach Sabans Waterloo wieder am Anfang. Jetzt wird „Plan B“ fällig: Die Gläubiger wollen die Senderfamilie in Eigenregie führen und – in der Hoffnung auf bessere Medienzeiten – in zwei oder drei Jahren verkaufen. Kann die Senderfamilie um Pro Sieben, Sat 1 und Kabel 1 diese Hängepartie schadlos überstehen? Schon jetzt kämpft der TV-Konzern gegen den rückläufigen Werbemarkt. Die RTL-Gruppe steht besser da, mit dem Rückenwind der Konzernmutter Bertelsmann stemmt sie sich erfolgreich gegen die schwerste Krise seit Einführung des Privatfernsehens. Der Abstand zwischen den Konkurrenten wird größer, die Balance ist in Gefahr.

Der Blender Saban hat mit seinen falschen Versprechungen nicht nur Aktionären und Gläubigern, sondern besonders dem Fernsehmarkt geschadet. Nur eine klare, stabile Gesellschafterstruktur und vor allem frisches Geld können das Gleichgewicht wieder herstellen. Deshalb darf der Verkauf des Herzstücks aus dem ehemaligen Kirch-Imperium nicht zur unendlichen Geschichte werden. Mutige Investoren sind gefragt, und vielleicht bietet auch die Verlagsgruppe Bauer tatsächlich noch einmal mit. hps

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