KIRCHE
Löwenmut vor dem Thron des Papstes

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Mut hat er, der neue Chef der deutschen katholischen Bischöfe. Robert Zollitsch hat sich, noch nicht einmal ganz angekommen in seinem neuen Amt, „gegen Denkverbote“ beim Thema Zölibat ausgesprochen.

Zwar hat er auch schon als Freiburger Erzbischof gemeint, dass die von Rom strikt vorgeschriebene Ehelosigkeit der Priester theologisch nicht zwingend sei. Aber ab heute ist Zollitsch oberster Katholik Deutschlands. Er kann sicher sein, dass seine ersten Äußerungen in neuer Funktion in den stillen Fluchten des vatikanischen Palastes große Aufmerksamkeit finden.

Interessant ist weniger die Position Zollitschs an sich. Denn dass der Zölibat für das Priesteramt nicht zwingend erforderlich ist, zeigt die Praxis der ersten Jahrhunderte der Kirche, wo diese Verpflichtung nicht galt. Sogar der neue Chef der Kleruskongregation im Vatikan, Claudio Kardinal Hummes, gleichsam der „Priester-Minister“, meinte vor seinem Amtsantritt vor etwas mehr als einem Jahr, der Zölibat sei „kein Dogma, sondern eine disziplinarische Vorschrift“. Nichts Neues also unterhalb des Himmelreichs?

Doch. Zollitsch weiß natürlich, dass der amtierende deutsche Papst das Thema nicht auf die Tagesordnung setzt. Benedikt XVI. hat als Kardinal wiederholt zu erkennen gegeben, dass er an dieser angesichts dramatischen Priestermangels höchst umstrittenen „Vorschrift“ nichts ändern will. Zollitsch geht gleich zu Beginn seines Amtes auf den wunden Punkt ein. Das zeugt von Unerschrockenheit. Dass er den Vatikan gleich noch wegen dessen Haltung gegenüber der protestantischen Kirche offen kritisiert, grenzt schon an Luthers „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“. Ganz so weit wie mit Luther wird es mit ihm wohl nicht kommen, aber: Respekt, hier kommt ein Daniel, der die Löwengrube nicht scheut.

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