Klima-Abkommen
Wenig Ehrgeiz

Die Nacht von Freitag auf Samstag wird lang, denn bis zum Ende des Kopenhagener Klimagipfels sind noch viele Hürden aus dem Weg zu räumen. Aber die Optimisten werden enttäuscht sein.
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Die Nacht von Freitag auf Samstag wird lang, denn bis zum Ende des Kopenhagener Klimagipfels sind noch viele Hürden aus dem Weg zu räumen. Das wird bei einem Blick in den Entwurf des Abschlusspapiers der Dänen deutlich: Zentrale Aussagen stehen in Klammern, sind also noch umstritten.

Dennoch gibt es viele Hinweise darauf, dass am Ende der zähen Verhandlungen ein klares Abkommen steht, das im nächsten Jahr in einen völkerrechtlich verbindlichen Vertragsschluss münden kann. Es ist kaum vorstellbar, dass US-Präsident Barack Obama am Freitag nach Kopenhagen reist, ohne Gewissheit zu haben, dass der Gipfel ein vorzeigbares Ergebnis bringt.

Optimisten werden allerdings enttäuscht sein. Man kann nicht davon ausgehen, dass sich Obama dazu hinreißen lässt, das 17-Prozent-Angebot zu erhöhen. Die Amerikaner haben ihre Bereitschaft signalisiert, ihre Kohlendioxidemissionen im Vergleich zu 2005 bis 2020 um ebendiesen Wert zu reduzieren. Macht man das Jahr 1990 zum Maßstab wie die Europäer, entspricht dieses Angebot lediglich einer Reduktion um knapp vier Prozent - lächerlich wenig im Vergleich zu den Zielen der EU. Da aber Obama innenpolitisch unter Druck steht und ein Gesetz noch immer nicht unter Dach und Fach ist, kann er an dieser Schraube nicht drehen. Wahrscheinlicher sind finanzielle Zugeständnisse an die Entwicklungsländer.

Die Entwicklungs- und Schwellenländer wiederum werden den Widerstand der vergangenen Tage nicht aufrechterhalten können. Ihr vehement vorgetragener Protest gegen die Industriestaaten ist schnell gebrochen, weil er von völlig unterschiedlichen Interessen getragen wird. Zwischen den Forderungen Chinas und denen des Sudans liegen Welten.

Konstruktiv verhält sich die EU, die gestern noch einmal klargemacht hat, dass sie zu ihrem Ziel steht, die Treibhausgasemissionen bis 2020 gegenüber 1990 nicht nur um 20 Prozent, sondern um 30 Prozent zu reduzieren. Sie hat damit zwar auf den ersten Blick schon einen ihrer wichtigsten Trümpfe gespielt. Die Taktik könnte aber aufgehen. Schließlich ist in der zuletzt verfahrenen Verhandlungssituation ein klares Signal angebracht.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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