Klima
Gabriels Joker

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Bundesumweltminister Sigmar Gabriel pokert beim Weltklimagipfel hoch. Er will partout erreichen, dass verbindliche Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen in das Abschlussdokument aufgenommen werden. Ob er sich damit durchsetzen kann, ist im Moment völlig offen. Gabriel zieht daher kurz vor Schluss des Gipfels sein schärfstes Schwert: Er schickt die Bundeskanzlerin ins Rennen. Allein der Umstand, dass er sich bereits der Hilfe von Angela Merkel versichert hat, verdeutlicht den Ernst der Lage.

Für Gabriel gibt es kein Zurück. Ein Abschlussdokument, das nur einen Fahrplan für den Weg zu einem Abkommen Ende 2009 weist, reiche ihm nicht aus, betont er. Konkrete Zahlen müssen also her. Damit die Sache ein gutes Ende nimmt, soll notfalls die Kanzlerin zum Telefonhörer greifen und widerspenstige Verhandlungspartner auf Kurs bringen. Die Idee ist dem Ernst der Lage angemessen.

Merkel hat die Bekämpfung des Klimawandels gleich zu Beginn ihrer Amtszeit zu einem ihrer wichtigsten Themen erklärt. Dass Gabriel nun auf ihre Hilfe zurückgreift, ist nur konsequent: Bislang hat die Kanzlerin mit dem Thema auf internationaler Bühne geglänzt, ohne sich ernsthaft mit lästigen Details befassen zu müssen. Jetzt hat sie die Chance, auch im harten politischen Verhandlungsalltag zu beweisen, wie wichtig ihr der Klimaschutz ist.

Dass Merkel ein besonderes Talent besitzt, in ausweglosen Situationen Überraschendes zu bewirken, hat sie in den vergangenen Monaten gleich mehrfach bewiesen. Geräuschlose und effiziente Vermittlungsarbeit ist ihre Spezialität. Unter den Gesprächspartnern der Kanzlerin könnte sich auch George W. Bush befinden. Sollte es ihr gelingen, den US-Präsidenten zu einem Kompromiss zu bewegen, wäre das eine mittlere Sensation.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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