Klima: Kommentar: Dampfender Klimaschutz

Klima
Kommentar: Dampfender Klimaschutz

Die Begrenzung der Erderwärmung ist eine der großen Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft. Doch die Beiträge deutscher Politiker aus den jüngsten Tage tragen nichts dazu bei, dass wir dem Überlebensziel näher kommen. Anders als behauptet, pusten Billigflieger nicht mehr Schadstoffe in die Luft als teure. Autofreie Sonntage und Werbeverbote sind nur Instrumente, um Bürger und Wirtschaft zu drangsalieren und zu bevormunden.

Wenn der Präsident eines Klimaforschungsinstituts fordert, die Deutschen sollten künftig Urlaub auf Sylt statt auf den Seychellen machen, dann vergisst der gut bezahlte Beamte und professionelle Vielflieger, dass die Mehrheit der Deutschen ohnehin Urlaub in Balkonien machen muss. So schmal ist der Grat zwischen Wissenschaft und Dampfplauderei.

Es fehlt jedes Gespür für die Dimensionen. Deutschland trägt rund sechs Prozent zur weltweiten CO2-Belastung bei, mit sinkender Tendenz. Rund die Hälfte der weltweiten Emissionen stammt aus den USA und China. Dort wird der Schadstoffausstoß weiter zweistellig wachsen. Das Zehnfache dessen, was wir einsparen, wird zusätzlich in die Atmosphäre geblasen; die Extremverschmutzer Russland, Indien, Mexiko und Brasilien kommen noch dazu.

Wirksamer Klimaschutz muss also in der EU, in der G8 und darüber hinaus eine Politik finden, um die größten Klimaschädlinge einzufangen. Das geht nicht mit Symbolik, mit der sich pseudogrüne Politiker am allerliebsten beschäftigen. Die perfekte Isolierung aller deutschen Häuser spart pro Jahr eine Million Tonnen an Treibhausgasen, eine ähnliche Größenordnung bringt das Auswechseln aller (!) Glühbirnen. Wenn die deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet werden, müssen aber zum Teil Kohle- und Gaskraftwerke an ihre Stelle treten, die bis zu 160 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich produzieren. Wir sparen an der falschen Stelle. Wenn Umweltminister Sigmar Gabriel jetzt den Stopp des Kernkraftwerks Biblis erzwingt, dann ist er der größte anzunehmende Umweltverschmutzer.

Deutschland steht an der Spitze der Einsparländer. Die Bundeskanzlerin will als EU-Ratspräsidentin eine weitere Reduktion um 20 Prozent europaweit durchsetzen. Davon soll Deutschland einen Anteil schultern, der Einsparungen von 30 bis zu 50 Prozent erfordert. Das gute Beispiel ehrt, hilft aber nicht viel: Wenn Partner wie Spanien ihre Verpflichtungen weiter ignorieren, wird aus Klimaschutzpolitik rasch Industriepolitik. Dann verfehlt die EU ihre Klimaziele, und gleichzeitig erzielen die Sünder noch eine Prämie, wenn Fabriken abwandern und dort neu gebaut werden, wo man sich einen Dreck um deutsche Standards schert.

Sauber, aber arm kann nicht die Devise sein. Klimaschutz hat auch eine soziale Dimension. Eine Abwägung zwischen Klimaschutz, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und sozialer Verträglichkeit fehlt gänzlich. Sie muss von der EU durch verbindliche Ziele für alle Mitgliedstaaten erzwungen werden. Denn es geht nicht um weniger, sondern um mehr Klimaschutz. Die Maßnahmen aber müssen nüchtern diskutiert werden. Pseudoreligiöser Fanatismus, wie er sich in dieser Debatte breit macht, schadet bei der Suche nach der Lösung.

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