Klimawandel
Bushfeuer

Der Potomac ist diese Woche eingefroren, was äußerst selten vorkommt. Am kältesten Tag des Jahres platzen Wasserleitungen und mussten Schulen dicht bleiben. Doch während dieser schneidenden Kälte beginnen die umweltpolitischen Eiskappen zwischen den USA und Europa zu schmelzen.

Die Debatte über den Klimawandel in meinem Land hat sich so gedreht, dass Republikaner, Demokraten und Wissenschaftler mittlerweile Europas lang gehegte Sorgen teilen. Die Ironie der Geschichte ist, dass die USA zwar der Welt größter Energieverbraucher sind, beim Klimaschutz aber dennoch die Nase vorne haben könnten, weil sie praktischer und unternehmensbezogener denken als in Europa, wo das Thema von Umweltaktivisten getrieben wurde, die eher an die Religion als an Resultate denken. Das könnte zu neuen Spannungen mit Europa führen, das zwar in der politischen Diskussion vorne ist, aber nicht versteht, dass Kyoto ein tragisch fehlerhafter Lösungsversuch für ein reales Problem ist, der abgebrochen oder verändert werden muss, wenn wir global vorankommen wollen.

Kyoto hat drei Schwächen. Die erste ist das Bezugsjahr 1990, das mitten in einer weltweiten Rezession lag. So bekam Kyoto einen Beigeschmack von Wachstumsfeindlichkeit, der politisch kontraproduktiv ist. Zweitens fehlen China und Indien, die größten neuen Energieverbraucher. Das Handelssystem hat es außerdem europäischen Unternehmen erlaubt, noch größere Verschmutzer zu werden, weil sie Rechte in Entwicklungsländern kaufen können. Präsident Bushs Fehler war es nicht, sich gegen Kyoto zu stellen, sondern, es auf eine so verächtliche Weise zu tun, dass es die Verbündeten empörte und den Eindruck erweckte, es müsse gar nichts geschehen. Nun versichern US-Unterhändler, die Europäer von der Notwendigkeit zu überzeugen, gemeinsam die „Treibhausgas-Intensität“ zu mindern. Das bedeutet, weniger Energie pro Dollar an Wirtschaftsleistung aufzuwenden. Der Charme dieser Idee ist, dass man schnell eine globale Verständigung erreichen könnte und dass sie das Wachstum anregt. Unternehmen steigern ihren Gewinn, wenn sie Energiekosten senken. Es ist auch ein vernünftiger Kompromiss trotz anhaltender Differenzen über die exakten Ursachen des Klimawandels. Die Emissionen können sinken, während das Wirtschaftswachstum zunehmen kann.

Was veranlasst den Economist, eine Titelgeschichte über „The Greening of America” zu schreiben? In gewisser Weise war es eine potente Kombination von Popkultur, Wissenschaft und politischem Wandel. Das ist Al Gores Film „An Inconvenient Truth“ zu verdanken, aber auch Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzeneggers moderner Umweltpolitik und nicht zuletzt den Nachrichten über das Schicksal der Eisbären, die jedes Klassenzimmer erreicht haben. Am stärksten jedoch war der Einfluss des Hurrikans Katrina, selbst wenn sein Bezug zum Klimawandel noch zweifelhaft ist. Im Weißen Haus gibt es auch geopolitische Motive, da die Ölstaaten entweder feindlich oder instabil sind.

Während die europäische Politik sich langsam und unregelmäßig bewegt, können in den USA Politikwechsel wie ein Buschfeuer über die Gesellschaft fegen. Man sollte sich daran erinnern, dass die USA nicht zum ersten Mal die Führung in Umweltfragen übernähmen. Viele sehen die Veröffentlichung von Rachel Carsons „Silent Spring“ 1961 als Ursprung der globalen Umweltbewegung. Der „Clean Air Act“ folgte zwei Jahre später. Die Grünen in Deutschland wurden erst 1980 gegründet. Die Energieverschwendung in den USA wird oft kritisiert, doch die Emissionen sind nicht unverhältnismäßig: Die USA erstellen 25 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung (mit gerade fünf Prozent der Weltbevölkerung). China wird 2009 höhere Emissionen verursachen. Zwischen 1990 und 2003 nahmen die Treibhausgase stärker zu als die in Europa, doch von 2000 auf 2004 stiegen sie nur um 1,3 Prozent, während in der EU-15 die Zunahme 2,4 Prozent ausmachte, so die Zahlen der UN Framework Convention on Climate Change. Der europäische Klimaschutz lässt zudem den Verkehr außen vor – aus Rücksichtnahme auf die deutschen Autohersteller.

Die USA bleiben der größte Klimasünder. Wir haben viel zu lernen von Europa, etwa mit Blick auf Energiesteuern, die den Verbrauch senken. Aber einer der größten Reibungspunkte in den transatlantischen Beziehungen kann zu einem der wichtigsten Kooperationsfelder werden – falls Kyoto beerdigt wird und ein effektiveres, wachstumsfreundliches Modell an seine Stelle tritt.

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