Koch und Bilfinger
Ein Experiment für beide Seiten

Roland Koch geht unter die Baulöwen. Die Entscheidung ist ohne Geschmäckle – ob sie allerdings auch strategisch richtig ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn seinen Einfluss kann Koch angesichts strenger Vorgaben bei Ausschreibungen kaum geltend machen. Im Tagesgeschäft wiederum fehlt ihm die Erfahrung. Ein Kommentar von Jens Koenen
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Roland Koch geht unter die Baulöwen. Die Berufung des früheren Hessischen Ministerpräsidenten war nach wochenlangen Spekulationen erwartet worden, gleichwohl ist die Personalie überraschend. Anders als etwa in den USA ist der Wechsel eines Politikers direkt auf den Chefposten eines Unternehmens die Ausnahme.

Lothar Späth, der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hat das Anfang der 90er Jahre mit der Jenoptik AG erfolgreich gewagt. Aber das war es dann auch schon. Per se muss Bilfingers Wahl - oder man sollte besser sagen, die Wahl des Aufsichtsratschefs Bernhard Walter, also keine falsche sein.

Die Personalie Koch hat kein Geschmäckle. Koch hat zu seiner aktiven Zeit als Regierungschef keinerlei Verbindungen zu Deutschlands zweitgrößtem Baukonzern gehabt. Weder oblag ihm irgendeine Form der behördlichen Aufsicht, noch hat er bei von Bilfinger gebauten und betreuten Projekten mitgewirkt oder beraten. So gesehen ist die heutige Entscheidung des Kontrollgremiums blitzsauber und absolut nicht zu beanstanden.

Ob sie allerdings auch strategisch richtig ist, steht auf einem anderen Blatt. Bilfingers Noch-Chef Herbert Bodner hat den Konzern über Jahre äußerst erfolgreich von einem reinen Bauriesen zu einem Dienstleistungs-Unternehmen umgeformt. Immer häufiger wird das, was die Mannheimer bauen, auch über Jahre von ihnen betrieben. Und immer häufiger handelt es sich dabei um Partnerschaften zusammen mit Bund, Land oder auch Kommune.

Die richtigen Kontakte zur Hand, kann Koch hier sicherlich so manche Tür öffnen. Andererseits ist sein Einfluss begrenzt, müssen gerade solche Projekte doch nach strengen Vorgaben öffentlich ausgeschrieben werden. Noch dazu ist es angesichts der Performance der aktuellen Bundesregierung fraglich, ob Koch auf Dauer das richtige Parteibuch hat, um wirklich zu helfen.

Im Tagesgeschäft wiederum fehlt ihm die Erfahrung. Will er bei Bilfinger erfolgreich sein, braucht Koch deshalb mehr als andere Vorstandschefs in neuen Ämtern die volle Unterstützung in Mannheim, vor allem der auf den Führungsebenen. Die zu gewinnen, wird für den Politiker nach seinem Amtsantritt die größte Herausforderung sein. Koch als oberster Bauherr von Billinger, das ist und bleibt vorerst ein Experiment für beide Seiten.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

Kommentare zu " Koch und Bilfinger: Ein Experiment für beide Seiten"

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  • wenn es ein wenig schief geht, weil ja jede Erfahrung fehlt, macht das auch nichts.
    Da werden halt dann ein paar Leute entlassen, damit der Gewinn wiedr stimmt.
    ist doch heute normal in Deutschland

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